Kunst im Theater? Lasst mal!


Da les ich grade:"Kunst sollte nicht in erster Linie mit Kommerz zu tun haben, (da muss ein Komma hin, der Säzzer) und auch das Theater sollte hin und wieder versuchen, (verdammte Kacke, auch da muss ein Komma hin, der Säzzer) Kunst zu machen."

ok! – ok! Ok! Ok!

Schauspiel- (oder Sanges-) Kunst???

Wo ist das Textbuch, welches die Chance bietet, Kunst zu machen? Habt Ihr schon mal tagelang vor dem leeren Blatt gesessen und über den ersten Satz gegrübelt? Verzweifelnd? Scheiternd?

Der Regisseur (die Regisseurin) ist auf dem Theater Urheber(in) des Kunst-Werks.

Wie schafft er / sie Kunst ohne entsprechendes Textbuch und / oder mit Darsteller(innen) und Sänger(innen, die ihrerseits keine Schauspiel- oder Sangeskunst bieten können?

Was macht das Publikum mit der dennoch realisierten Kunst, wenn es dafür keinen Bedeutungsvorrat im Kopf hat?

Oh je!

Georges Tabori sagte in "Der alte Mann und was mehr" unter anderem:
"Eines Tages, bald, werde ich der kleine alte Mann sein, der ich als Kind war, als ich auf dem Boden krabbelte, um zum ersten Mal einen Porzellanhasen mit einer Neugier zu berüh­ren, die ich im Begriff bin, wiederzuentdecken. Diese Gabe kann jedes noch so banale Objekt in etwas Schönes verwan­deln, und deshalb lächle ich über die terroristische Botschaft, die Kreativität lasse nach. Ich habe den alten Einstein mit seinen naiven Predigten von Friede und Freiheit immer dem vorgezogen, der uns die Gleichung der Bombe beschert hat. Originalität ist ein Zustand, in dem man am authentischsten man selber ist; an sie kann man nicht die Meßlatte anlegen wie an einen Penis. Sie ist in der ersten Berührung des Hasen oder in den späten Beethoven-Quartetten. Die gleiche Speisung geht von den winzigen Giacometti-Figuren aus. Er trug sie in Streichholzschachteln bei sich. Als er jung war, wollte er mit seiner Arbeit dem Bruder gefallen, später sich selbst und dann nur noch, in seiner letzten kurzen Periode, der Arbeit."

Wem wollen wir gefallen? Mit Kunst?

9 Gedanken zu “Kunst im Theater? Lasst mal!

  1. Hmmm. Ich denke darüber nach, seit ich den Artikel gelesen habe und mir fällt nur eine Gegenfrage ein:

    muß/soll/kann Kunst gefallen?

    Das ist ein bißchen dünn, für tagelanges Gegrübel, ich weiß 😉

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  2. Giacometti hatte Streichholz-große Figuren. Bei seinen Vorstellungen zum Beispiel während "Theater der Welt" in Köln im Jahre ???? waren jeweils maximal 18 Zuschauer(innen) zugelassen. Wenn er denn Kunst machte, wollte er den 18 Leuten gefallen?

    Künstler, wenn sie gerade ihre Kunst machen, stellen Fragen? Wieviel Leute wollen die Fragen gestellt bekommen? Reicht die Zahl aus, damit die Künstler davon leben können? Sollen die Künstler Kunst machen und von was anderem leben?

    Und – nochmals gefragt – was ist im Theater die Kunst? Wo mehr als (ich sage mal) 50 Leute zusammen kommen, wird keine moderne Kunst gemacht. Eher Mainstream. Das heißt aber nicht, wo weniger als 50 Leute hocken, passiert Kunst.

    Und Kunst ist von Artifiziellem zu trennen. Das gelingt nur zu selten. Leicht ist man verführt, das Artifizielle, das allenthalben gezeigt wird, auch für Kunst zu halten. Zu viel Placebo allenthalben, damit meine ich: Das Publikum lässt sich allzu leicht vom Drumherum beeindrucken, auch Rezensenten und andere kritische Geister fallen drauf rein. Auf, ja, eben allerlei Beeindruckendes wie Medienpräsenz von Akteuren, Locations im weitesten Sinne, Bramabarsiererei, Finanzeinsatz und sonstiges Pipapo.

    Ist das zusätzlicher Denkstoff?

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  3. Eine Künstlerin sagte mir gestern: „Das gibt so viel Preise zu gewinnen, da mach ich doch mal schnell was – wer fragt denn nach dem Inhalt!?“

    Das zeigt zum einen: von Kunst kann man anscheinend auch leben
    und zum anderen: Kunst entsteht im Auge des Betrachters. Denn wenn diejenigen, die die Preise ausloben, nicht nachdem Inhalt der prämierten Objekte fragen, müssen sie ja „irgendetwas“ daran finden.

    Leider muß man auch viele Dinge in ihrem „historischen“ Zusammenhang sehen: Warhols Dosensuppe, die ich im letzten Jahr im Kunsthaus in Zürich sah, hat mich überhaupt nicht beeindruckt. Ist aber insofern „revolutionär“, als daß bis dahin Alltagsgegenstände nicht zu „Kunstobjekten“ gemacht wurden.

    Giacomettis Arbeiten konnte ich dort auch sehen und war hochgradig fasziniert! Der Mann hat wirklich ne Meise gehabt, aber er hatte eine Idee, eine Vision, der er sich versucht hat anzunähern.
    Seine Skulpturen, die gelinde gesagt auf Photos immer irgendwie scheiße aussehen haben im orginal eine unglaubliche Dynamik!
    Auch seine Entwicklung war in der Ausstellung sehr schön gezeigt, so daß man dem Ringen um die Annähreung an seine Vision sehr gut folgen konnte. Das war unbedingt spannend!

    Bei Vicky Pedia fand ich diesen schönen Satz:
    „Kunst ist ein Kulturprodukt, eine Hervorbringung von Menschen, das Ergebnis eines kreativen Prozesses, an dessen Anfang manchmal die religiöse Motivation stand und an dessen Ende entweder das „Kunstwerk“ steht oder auch – wie seit der Moderne – der Prozess selbst als Ergebnis gewertet wird. Jede Kultur hat demnach Kunst hervorgebracht.“

    Demnach wäre auch Theater immer Kunst, egal wieviel Leute zuschauen…

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  4. Hallo Claudia,
    eine kleine Ungenauigkeit: Warhol war es nicht, der als erster Alltagsgegenstände zu Kunstobjekten gemacht hat.
    Meines Wissens war es Marcel Duchamp – sein Flaschentrockner (1914) und das umgekehrte Pissoir (Fontäne / 1917) waren revolutionär.

    Wobei es auch im 19. Jahrhundert schon Ansätze gab.

    Wann im Theater wer Kunst macht … (siehe mein Beitrag, aus dem dieser kleine Diskurs resultiert)

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  5. Ich gestehe, dass ich Opfer des ausgeliehenen Audio-Guides bin, der mir sagte, Warhol habe so die Kunstwelt erschüttert…

    Im übrigen stimme ich zu, dass Kunst im Theater meist eher artifiziell und viel zu häufig unerträglich ist.

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  6. Liebe Claudia,

    sind wir hier noch auf Empfang?
    Hast Du was entdeckt?
    Wir gucken uns nun von Montag bis Mittwoch in Berlin Theater an.
    Wir sind gespannt, ob da Kunst geboten ist, vor allem hoffen wir auf Schauspielkunst und könnerische Regie.

    Wir werden berichten.

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  7. Hi Claudia,
    hier nur schnell für Dich der Verweis auf etwas ausführlicheres Berichten über Berlin: Schau, bitte, unter „Schreib-Bloggade“ nach. Ich schreib da, um den Zusammenhang zu wahren – okay?

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