Schwere Entscheidung – wieder einmal


Krachen soll es im Herbst, viel zufriedenes Publikum möchten wir im Theater haben. Gerade wieder haben wir bei den Bayerischen Theatertagen in Fürth gelernt: So zu denken und Theater zu machen, missfällt den Auguren. Die wollen es belangvoll, innovativ, relevant…

Und mach mal solches Theater, wenn Du zwischen 60 und 80 Prozent einspielen musst.

Alle reden so rum: "Komödie ist das Schwerste!"

"Es ist leichter die Leute zum Weinen zu bringen als zum Lachen."

Machst Du aber "das Schwerste", guckt Dich gerade die Sorte Leute schräg an, die freiwillig niemals ins Theater ginge.

Irgendwo hab ich gelesen: "Boulevardtheater ist etwas ganz Besonderes: Es ist Komödie, es ist Unterhaltung, aber zugleich kann eine ernste Wahrheit mit einem Lächeln, einem Augenzwinkern 'über die Rampe' gebracht werden."

Weil ich Spaß habe, dem Publikum sowas zu bieten, habe ich -zig Textbücher (sagen wir 4zig oder 5zig) wirklich studiert und Studientrips gemacht nach Berlin (wo ich angesehen habe: "Männergespräche", "Szenen einer Ehe", "Verdammt lange her") und Wien ("Schöne Bescherung", "Bleib doch zum Frühstück" und "Honigmond"). Außerdem habe ich en passant in Fürth "Sofort heiraten" angesehen, eine moderne, abstruse Komödie. Am Ende blieben zwei Stücke übrig, zwischen denen ich mich in den nächsten zwei, drei Tagen entscheiden will / soll:

– "Romeo mit grauen Schläfen" von Curt Flatow

Das Stück wurde vor 20 Jahren in der Kleinen Komödie am Bayerischen Hof uraufgeführt, wo Axel von Ambesser in der Titelrolle brillierte. Danach wurde es rund 20 Mal nachgespielt, so zuletzt in der Stuttgarter Komödie im Marquart mit Elert Bode in der Titelrolle.

– "Die Kaktusblüte" von Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy (Deutsch von Charles Regnier Bearbeitung Jürgen Wölffer)

Das gab es als Film mit Walter Matthau (als Zahnarzt) und Ingrid Bergmann (als seine Sprechstundenhilfe) sowie Goldie Hawn (war ihr Durchbruch / Oscar für die beste Nebenrolle), Quincy Jones und anderen.

Drücken wir uns die Daumen, dass ich die richtige Wahl treffe, außerdem eine passende Besetzung finde und dann gemeinsam Spaß habe, wir auf und die vor der Bühne. Was wir machen, erfahrt Ihr auf diesem Wege demnächst.

8 Gedanken zu “Schwere Entscheidung – wieder einmal

  1. Kai Festersen

    nimm „kaktusblüte“ (oder „oscar“), nicht curth flatow… 1987 ist einfach sehr sehr lange her für eine komödie, das ist sprachlich sicher antiquiert. kenne nun den konkreten text nicht, aber eigentlich ist das immer so… guck Dir mal einen film von 1987 an, das kommt einem vor wie 67 …

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  2. Die Waage neigt sich zugunsten der „Kaktusblüte“. Da haben wir die Antonia (die auch die Frau Durand spielt) und den Julien und brauchen auf jeden Fall noch einen Norbert und einen Igor; womöglich auch eine Stefanie – oder, wenn ich die selbst gebe und nicht inszeniere, dann eine Regisseurin oder einen Regisseur. Die Stellen sind dann in Kürze auf Theaterjobs ausgeschrieben.

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  3. Hallo Kai, herzlichen Dank für Deinen konstruktiven Beitrag. (Dein Votum kam, nachdem ich den vorhergehenden Kommentar geschrieben hatte. Deswegen muss ich jetzt hier nachschieben:)

    Ja, Du liegst richtig. Aber nicht nur die Sprache, auch der Plot spricht für die „Kaktusblüte“ (läuft übrigens gerade in den Kammerspielen des Josefstadttheaters in Wien mit Elfie Eschke und Andreas Steppan).

    Das Stück ist ja auch nicht mehr taufrisch, ist auch reines Boulevard, aber die ganzen Beziehungsfragen interessieren das Publikum sicher eher als die Spätlife-Crisis eines gealterten Schauspielers. Die Berliner Fassung von Jürgen Wölffer kommt auch nicht sooo verstaubt daher. Ich glaube, wir werden das machen; komödiantisch, wie wir von Herzen sind, wird uns das Spaß machen und dem Publikum auch.

    Wir spielen das dann den Herbst über drei Mal die Woche; und einen vierten Aufführungstag wird es geben, wo wir wahrscheinlich „Sex – aber mit Vergnügen“ von Franca Rame und Dario Fo wieder aufnehmen. Und für die Schulen wollen wir nochmals „Klamms Krieg“ anbieten, mit dem wir bei den „25. Bayerischen Theatertagen“ in Fürth letzte Woche wieder ganz toll angekommen sind.
    Rezension hier
    Damit haben wir für unsere Verhältnisse schon wieder jede Menge vor.
    Ach: Gerade kommt ein Anruf: Man interessiert sich für unsere Produktion „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ von F. Dostojewski. Dazu Infos
    hier

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  4. Sehr gut, daß sich die Waage so neigt – mich beschleicht bei Herrn Flatow das Gefühl, daß der seit 80 Jahren immer wieder das selbe Stück schreibt (hier in Hamburg läuft in der Winterhuder Komödie immer mal was von ihm)…
    Habe „Die Kaktusblüte“ zwar ewig nicht gesehen, war aber ein großer Fan von Ingrid Bergmanns „Zahnarzt-Tanz“ 🙂

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  5. Guck an, guck an – es ist doch schön, dass manche Mitblogger(innen) so konsequent reingucken unsd sich auch noch äußern…

    Der Kai hat unsere Entscheidung schon mitbeeinflusst, jetzt Du Claudia. Mal sehen, wer sich noch meldet, denn das ist ja der Sinn meines Beitrages: Reaktionen hervorzurufen, mit denen ich dann was anfangen kann.

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  6. Kai Festersen

    übrigens… wenn das noch niemand gemacht hat in Eurer Gegend: „Grönholm-Methode“ von Galceran ist ein schlicht geniales Stück, 1 Dame, 3 Herren, witzig und spannend und politisch und ein Renner, obwohl es keine Komödie ist.

    Wie gut der zweite Text von Galceran ist (Karneval) weiss ich nicht, auf jeden Fall ist aber die Besetzung grösser…

    Kai

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  7. Mensch Kai, Du wirst immer sympathischer, wenn ich mal so meinem, Herzen Luft machen darf. Jetzt ist zwar unsere Entscheidung für die „Kaktusblüte“ gefallen, und wir haben auch gerade zwei Stellen ausgeschrieben, aber ich hab auch Deinen Stückvorschlag aufgegriffen und bestellt, aber: Was wäre denn, wenn Du bei uns inszenieren würdest. Melde Dich doch mal über die Mailadresse. Wenn Du dann für uns zu teuer bist, ok. Gefragt haben wollte ich aber doch…

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