Wie besetzt Ihr Fr Durand?


An verschiedenen Stellen des Blogs wird vermehrt über die Möglichkeiten und Modalitäten von Engagements diskutiert. Schauspieler(innen) suchen Jobs. Sie sind frustriert, weil nichts geht. viele fühlen sich benachteiligt, ausgebeutet, unter Wert behandelt.

Intendanten, die Jobs vergeben können, sind – so glaube ich – nicht vertreten, selbst freie Theatermacher (-unternehmer) sind ganz rar. Schließlich ist theaterblog. de auch auf dem Humus von theaterjobs.de entstanden…

Nun, ich, Luise Häberle, eine weitläufige Bekannte von Horst Schlämmer, trage auf verschiedenen Schultern, und da reizt es mich, ein Gedankenspiel vorzuschlagen, statt Sodoku oder Monopoly (oder was Ihr sonst so spielt):

Wie besetzen wir die Rolle der "Fr. Durand" in "Die Kaktusblüte"? Wie qualifiziert muss die Kollegin sein? Was darf sie kosten?

Der Umfang der Rolle ist hier zu ersehen.

Weitere Rahmenbedingungen: Das Stück hat fünf weitere Rollen mit einer Abendgage X. Dazu sind Tantiemen und Gema zu zahlen. Der Regisseur kostet Y. Für sechs Personen ist eine Probenpauschale (Probendauer fünf Wochen) von je Z zu zahlen.

Soll die Spielerin der "Fr Durand" auch fünf Wochen proben? Kriegt sie auch die Pauschale?

Wir kalkulieren nicht ein das Abendpersonal (Kasse, Theke, Garderobe) und legen auch nicht die Kosten für Strom und Gas auf die Produktion um. Werbung, Kostüme, Bühnenbild lassen wir auch weg. Das alles haben wir nur im Hinterkopf. Wir fragen uns nur am Schluss:

Wieviel Zuschauerinnen müssen am Abend kommen und im Durchschnitt 15 Euro zahlen, damit die Rechnung aufgeht? Wieviel Vorstellungen werden überhaupt in welchem Zeitraum angesetzt?

Wir fragen nicht: Lohnt "Die Kaktusblüte" den Aufwand? Ist "Die Kaktusblüte" Kunst? Sollen wir lieber "Effie Briest" spielen? Warum bleibt "Faust" das meistgespielte Stück? Wieso ist die Unendlichkeit endlich? Macht der Letzte das Licht aus? Wieviel CO² wird gespart, wenn die Theater schließen?

3 Gedanken zu “Wie besetzt Ihr Fr Durand?

  1. Interessantes Rätselspiel!

    Ich gebe zu bedenken: je qualifizierter die Schauspielerin ist, um so schneller kann sie die Rolle erlernen = um so weniger muß sie proben.

    David Mamet schreibt in „Richtig und Falsch“:
    „Ein Stück kann schnell geprobt werden von einer Gruppe kompetenter Schauspieler, die ihren Text können und bereit sind mit der Hilfe des Regisseurs die einfachen Handlungen zu finden, die zu den Dialogen passen und sich zu einem entsprechenden Bild auf der Bühne ordnen lassen.“

    Selbstverständlich bekommt auch die Kollegin Frau Durand eine Probenpauschale. Die Frage(n), die sich mir dabei stellen sind: will man chronologisch proben? Dann bekommt sie natürlich die Pauschale für die gesamte Probenzeit, da sie ja die ganze Zeit zur Verfügung steht.
    Soll man die Szenen mit Frau Durant ans Ende der Probenzeit legen? Dann bekommt sie die Pauschale für die eine Woche, die sie probt.

    Mir ist natürlich klar, daß das rein hypothetisch ist, denn welches Theater zahlt noch Probenpauschalen 😉 ?

    Zu dem zweiten Teil des Rätsels möchte ich ein Rätsel hinzufügen:
    hier in Hamburg brauche ich, um mein Leben finanzieren zu können, in etwa 2000,-€ brutto (weniger geht auch, ist aber schmerzlich).
    Das bedeutet, daß ich durchschnittlich 70,-€ brutto pro Tag verdienen muß, wenn ich nicht unter einer Brücke schlafen will (wovon es hier ja reichlich gibt)…
    Geht das als Schauspielerin???

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  2. Maria Riese

    Also: Frau Durant wird am Ende eingeprobt. Sie bekommt ein Fünftel der Probenpauschale, welche die anderen bekommen. Das hier angenommene Theater zahlt eine Probenpauschale, nicht als Bezahlung, als Entgeld, sondern als Überbrückungshilfe.

    Gespielt wird zweieinhalb Monate mit 30 Vorstellungen (also drei Mal die Woche). Frau Durant ist ca sechs Minuten auf der Bühne. Wenn der letzte (stumme) Auftritt gestrichen wird, ist sie also auch nur sechs Minuten im Einsatz. Dafür 5000 €? Wirklich?

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  3. Interessant! Bezahlung nach Anwesenheit auf der Bühne! Das sollte man mal für alle Rollen ausrechnen ;-)!

    Wenn ich die Textbeispiele richtig lese ist sie sowohl im ersten, als auch im zweiten Akt dran. Die alte Regel: „Wer vor der Pause fertig ist, darf gehen“ gilt also nicht für sie.
    Sie hat am Abend den gleichen Aufwand, wie alle anderen Kollegen – sitzt nur mehr in der Garderobe/der Kantine/dem Off…

    Eine mir bekannte Theater Companie hat übrigens den Grundsatz, daß prinzipiell alle das Gleiche verdienen, damit Nicklichkeiten ausgeschlossen werden – das gilt dort auch für die Leute, die hinter den Kulissen helfen…

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