Urlaub?


„Ferien vom Ich“ heißt der vor knapp hundert Jahren erschienene Roman Paul Kellers. Schon drei Mal wurde er verfilmt, obwohl der Stoff als „romantisch versponnen“ eingestuft wurde. Schließlich genießt es ein steinreicher Topmanager in vollen Zügen, einmal ohne Telefon, Management und Finanzierungsfragen zu leben. Für mich ist allerdings der Titel fraglich: Ich bräuchte Ferien nicht vom Ich, sondern Ferien, in denen ich zu mir komme. In einer Zeit, in der selbst Rentner(innen) nicht reisen oder irgendwo hin fahren, sondern auch „Urlaub machen“, wäre ich gern da, wo nichts mehr an mir zerrt, niemand etwas fordert, wo Stille wäre, meine Energie nicht weiter abgezapft würde. „Ich bin dann mal weg“ möchte ich an die Bürotür hängen, ans Theaterportal, an die Wohnungstür. Der Satz müsste auf den Anrufbeantworter und auf dem Mobilteil kommen statt „The person, you’ve called, is not available“. Obwohl das ja auch schon gut klingt. Also: Es geht um die Idee „Ein paar Tage nichts wie raus…“ Ich will weglassen, was im Alltag zu viel ist, und tun, was im Alltag fehlt. Dabei gestehe ich: Ich hab mindestens einmal zuviel Urlaub gemacht als „Fortsetzung des Alltags bei besserem Wetter und schlechteren Wohnverhältnissen“. Als Angestellte müsste ich Urlaub machen mit dem Ziel, meine Arbeitskraft zu regenerieren. Als selbständige, freie Künstlerin geht es mir unter anderem um den Erhalt meiner Kreativität. Rostet die ein, wenn ich abschalte? Kann ich die überhaupt abschalten? Arbeitet sie ohne mein Zutun und gegen meinen Willen weiter? Blüht sie vermehrt, wenn ich das Hamsterlaufrad anhalte und wenigstens zeitweilig aussteige?

Ich weiß noch einige Reiseziele, phantastische und reale, auch paradiesische… Dieses Jahr muss ich aber wohl so gefühlsmäßig mal nicht weit weg, aber weg muss ich – für andere und anderes unerreichbar! Wenn ich jetzt hier sagen würde, wo das ist, wäre das ja paradox. Sollte also in der nächsten Zeit der eine oder die andere nach mir fragen oder suchen – Ihr wisst schon: Ich bin dann vermutlich eben weg!

Ein Gedanke zu “Urlaub?

  1. Na was soll ich sagen. Das ist doch genau mein Thema. Immer wieder interessant, dass es so vielen Menschen im Sommer um das Thema Urlaub geht. Ist bei mir ja nicht anders. Urlaub muss sein.
    Bis später dann.

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