Theater-Trends!?


Gerade läuft wieder ein der Pressespiegel des Deutschen Bühnenvereins. Zwei Artikel fallen mir auf.

Einmal einer von Stefan Kirschner in der Berliner Morgenpost (20. Mai 2007) zum Berliner Theatertreffen. Unter der Überschrift

"Es darf gelacht werden"

veröffentlicht er in seiner "Bilanz der Leistungsschau" fünf Trends, die er ausgemacht haben will:

1. Livemusik ist angesagt

2. Die Bühnenbildner sind die neuen Stars

3. Bekenntnis zur Unterhaltung

4. Die Hinwendung zum Zuschauer

5. Skepsis

 

Wer mehr lesen will, findet es hier.

 

Der andere Artikel, der mir das zweimalige Lesen wert war, ist:

"Die Entfesselungskünstler"

Von Peter Kümmel in der "Zeit" 10. Mai 07

Wer den auch vollständig lesen will, clickt hier.

Für die anderen hier ein Ausschnitt aus dem Artikel:

"Wie aber erzählt das deutsche Theater die Welt?

Eine Anekdote von Ernst Bloch kommt einem oft in den Sinn, wenn man im Theater sitzt. Die Anekdote heißt Das genaue Olivenessen: Drei Literaten bereiten gemeinsam eine Olive zu. Die Olive wird in eine Drossel eingenäht, die Drossel in eine Wachtel, diese in eine Ente, diese in eine Gans, diese in einen Truthahn, der in ein Ferkel, das in einen Hammel, der in ein Kalb, das in einen Ochsen. Das von Saft tropfende Fleischpaket wird am Spieß gebraten. Dann holen die Köche alles vom Feuer, werfen den Ochsen, das Kalb, den Hammel, das Ferkel, den Truthahn, die Gans, die Ente, die Wachtel und die Drossel weg und machen sich daran, die Olive zu kosten. Nachdem sie lange stumm gekaut haben, sagt einer der Esser: »Mir scheint, der Truthahn war nicht ganz jung.«

Solche Olivenesser sind auch wir.

Das Bild von der Olive in ihren Tierfleischmänteln passt auf viele deutsche Inszenierungen, auch auf solche, die beim Theatertreffen zu sehen sind. Diese Inszenierungen wirken so, als hätten sie im Moment, bevor der Vorhang hochging, das Rind, das Schwein und die Wachtel abgeworfen, um auf der Bühne die höhere, die geniale Olive der reinen Kunst zu zeigen. Sie sind so feierlich karg, als hätten sie einen dicken Fleischmantel von Realismus, Naturalismus, Psychologismus, Historismus abgeworfen und enthielten nur deren Säfte. Auch auf andere Beigaben haben die Olivenköche des Theaters im Lauf der Zeit verzichtet: auf Requisiten, Kolorit, Komparserie, Kostüme, auf fest umrissene Rollen. Das alles verbirgt sich, in seiner Abwesenheit geisterhaft gesteigert, in der Olive: in dem auf der nackten Bühne agierenden Spieler.

Der Bühnenmensch will nicht illustrieren, sondern Zeichen sein. So handelt das Theater vom Mord, indem es ein wenig Blut über die Olive träufelt, es handelt von der Liebe, indem es die Olive ein wenig schält, es handelt vom Krieg, indem es die Olive lustig über den Boden rollen lässt.

Während in TV und Kino Situationen eskalieren, Intrigen sich absurd verzweigen und Wirklichkeit durch Raffung, Parallelisierung, Hysterisierung von Handlungsereignissen »hergestellt« wird, überlebt im Theater Handlung (ja, fast auch der Dialog) vor allem in der Anspielung, in der Ironie."

Das Bild vom Olivenessen findet Ihr vollständig hier – der zweite Abschnitt!

 

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