„Wenn die Schauspieler mal einen freien Abend haben wollen, übernimmt H.L.“ mit H.S.


Jetzt haben wir schon wieder jede Menge Theater angeguckt. Und Anfang Juni 09 stehen noch zwei Besuche an.

"Wenn die Schauspieler mal einen freien Abend haben wollen, übernimmt Hedley Lamarr" heißt das Stück von Rene Pollesch, welches derzeit in der Uraufführungs-Inszenierung des Autors im Staatstheater Stuttgart gespielt wird. Haben wir gestern, 19. Mai 09 angeguckt. Lohnt sich für jeden, der professionell Theater macht! Aus verschiedensten Gründen! Übrigens: mit Harald Schmidt (ganz früher Neu-Ulm). Ok. Das schadet nix! Warum man das angucken sollte? Weil es ein Lehrstück ist. Über Staatsschauspieler. Und über einen (zu) hoch gelobten Autor. (Termine: 03.06. | 08.06. | 12.06. | 20.06.)

Auf der Rückseite des Programmzettelchens heißt es: "Wofür ist Theater überhaupt da, warum gehen wir da hin? Was habe ich überhaupt mit dieser Gesellschaft zu tun? Wenn ich nicht mehr akzeptiere, dass ich durch HAMLET repräsentiert bin, muss ich über Stadt oder über Hotels reden. Es wird einfach nichts über mich erzählt, wenn ich mir HAMLET ansehe. Für Heiner Müller war das noch anders, aber über mein Leben erzählt das nichts mehr. Wie kann man darstellen, was uns ausmacht? Jedenfalls nicht mehr durch Figuren, die interagieren und die in einem Plot verwickelt sind. Ich denke, dass auch die Zuschauer andere Darstellungs­formen suchen, wenn sie zu uns gehen."

Wir sind sehr, aber sehr im Zweifel, ob bei "WdSmefAhw,üHL" mehr über die "normalen" BesucherInnen gesagt wird, als im Hamlet, wirklich mehr über ihr Leben. Nein, es wird bei Pollesch noch nicht mal was über uns, die "normalen" SchauspielerInnen, erzählt (im Hamlet gibt es ja immerhin ganz schöne "Stellen" zur Schauspielerei). Wir fühlten uns durch Harald Schmidt (oder durch einen der anderen Fünf) dummerweise auch nicht repräsentiert. Und darüber müsste man reden! Da wurde von den Figuren auf der Bühne davon geredet, dass sie ja keinen Babysitter hätten engagieren müssen, wenn Hedley Lamarr doch da wäre und übernommen hätte. Da hätten sie doch einen freien Abend und würden den Babysitter umsonst bezahlen. Dabei machten sie nicht den Eindruck, als hätten sie real so ein Problem oder eines der anderen verhandelten Probleme. Da wollte man offensichtlich – mindestens vom Kopf her – was anderes erzählen, aber kam dabei auch nicht wirklich über "Darstellung" von irgendwas Fremdem hinaus, dank Pollesch, der Figuren / Darstellern dazu keine Chance lässt, auch wenn sie – wie propagiert wird – den Text sozusagen miterfunden haben. Schmidt, um bei ihm zu bleiben, bleibt da Schmidt, wird sogar so angesprochen.

Harald Schmidt hat furchtbar geschwitzt. Sein Twitter-account BonitoTV hat behauptet, er habe nicht geschwitzt, das seien echte Tränen gewesen. Vielleicht ist dieser Twitter-account so virtuell wie H.S. auf der Bühne sein sollte / wollte / wirkte / war.

In Wien haben wir leider Fritz Muliar verpasst, weil er just für immer von der Bühne des Lebens abgetreten war, als wir ihn live sehen wollten. Die Sonntagsvorstellung am 4. Mai im Josefstädter Theater war um 15 Uhr. Da hätten wir ganz früh losfahren müssen, um nach sechs Stunden Fahrt pünktlich drin sitzen zun können. So haben wir "Die Wirtin" von Peter Turrini (Nach Goldonis "Mirandolina") erst am Dienstag, 6. Mai 09 erlebt, die erste Vorstellung ohne Muliar. Das Ensemble war offensichtlich betroffen – obwohl sie professionell ihr Bestes gegeben haben… Hätten wir's geahnt, wären wir Sonntag da gewesen.

Dafür hatten wir einen Tag vorher in den Kammerspielen des Josefstädter Helmuth Lohner und Otto Schenk in "Halpern & Johnson" von Lionel Goldstein erlebt. Wieder zwei Riesen des Theaters. Sehr gutes Stück, leider nicht besonders publikumsträchtig, aber soooo schön. Zwei alte Männer am Grab einer Frau, mit der der eine verheiratet war und die der andere 50 Jahre lang (nur noch platonisch) geliebt hatte. Angeblich hat Otto Schenk nen Knopf im Ohr. Und die Pausen soll er – so eine insiderische Wiener Kollegin – machen, weil er auf das Stichwort der ihm ins Ohr flüsternden Souffleuse wartet. Die Pausen waren mindestens so schön, wie wenn sie inszeniert wären. Nochmals zu Stuttgart: Da marschiert die Souffleuse von Szene zu Szene auf der Bühne mit, das Buch in der Hand. Und dazu laufen noch Kameramann und Tonmann mit, weil immer wieder zusätzlich eine Live-Kamera auf einen großen Bildschirm überträgt.

Und jetzt stehen Anfang Juni zwei Besuche an, die womöglich weniger "Kunst" sind als in Stuttgart vorgespielt wird, aber die dafür Fingerzeige für unseren Herbst bieten: "Im Himmel ist kein Zimmer frei", Komödie von Jean Stuart in "Die Komödie" in Frankfurt und: "Seitensprung für Zwei" von Lars Albaum und Dietmar Jacobs im "Contra-Kreis Theater" in Bonn.Und da freuen wir uns insbesondere auf die Inszenierung unseres Freundes Horst Johanning,des Großen Vorsitzenden der Privattheater-Gruppe im Deutschen Bühnenverein. Wir berichten weiter.

Ein Gedanke zu “„Wenn die Schauspieler mal einen freien Abend haben wollen, übernimmt H.L.“ mit H.S.

  1. Aus gegebenem Anlass stoße ich auf diesen älteren blogpost. Es gab einen Fingerzeig: Die letzten beiden („solche“) Stücke sind nun überhaupt nicht unser Ding – zuviel Türen … wenn Ihr wisst, was ich meine.

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