stArt09 – leider nur kurz


stART09

Am Donnerstag war ich auf der stART09conference. Leider nur am Donnerstag, weil ich Freitagmorgen schon wieder in Neu-Ulm sein musste – ein freier Theatermacher hat nicht die Zeit, die zum Beispiel einem Kulturreferenten zur Verfügung steht.

Ich hab was mitgebracht: In erster Linie hab ich Leute getroffen, die ich vom Netz her kannte, aber länger nicht real gesehen habe (wie stART09-Mitorganisator Christian Henner-Fehr) oder real noch nie gesehen habe (wie stART09-Mitorganisatorin Karin Janner). Erstmals real getroffen habe ich Sören Fenner und Renate Panke. Und vorbei gelaufen, ohne sie zu erkenne, bin ich an etlichen mir bereits liebgewordenen Twitterern. Das hab ich erst später festgestellt, als ich am zweiten Tag der stART09 auf Twitter die Tweets mit Hashtag #start09 verfolgte. Nächtes Mal, auf der stART10, werde ich sicherstellen, dass man voneinander weiß.

Gut, ich war ja als Sprecher eigeladen auf der stART09 in Duisburg, um zu berichten, warum so ein kleines privates Theater im i-Net herumgeistert, wozu das gut ist, was es "bringt" und wie so eine kleine Einrichtung das finanziell und zeitlich packt.

Den meisten ZuhörerInnen wurde wohl deutlich, dass auch in der virtuellen Welt all die Faktoren greifen, die auch unabänderlich zur alltäglichen Realität von off-Künstlern gehören: Man braucht Herzblut ohne Ende, eine hohe Frustrationstoleranz, Idealismus bis zum Abwinken, viel Handwerkszeug in verschiedenen Zünften – anders ausgedrückt: Power, Potential und Passion.

Viele lächeln da nur müde. Auf der stART09 ging es (am ersten Tag jedenfalls) in den Vorträgen und bei den Diskussion, on und off, auffällig oft um "Nutzen", "Märkte", "Grenzkosten", "Wertschöpfung", "Geschäftsmodelle", "Wettbewerbssituationen". Es wurden viele Daten und Fakten genannt, Kostenrechnungen vorgestellt, Strategien zur "Kundengewinnung" vorgeschlagen.

Da kann ich nicht mithalten. Theatermacherei an sich, so wie ich sie verstehe, ist zunächst mal anders orientiert. Um im Jargon zu bleiben: Mir geht es in erster Linie um "Content" beim Theatermachen. Im Netz bin ich dann nicht primär unterwegs, um Besucher zu gewinnen. Ich suche Informationen, Anregung, Impulse. Ich tausche mich mit anderen aus. Gut, ich geben dann auch Informationen weiter.

Mein Vorteil: Ich muss im Prinzip nur mit mir identisch sein. Und dabei darf ich fragen: "Wer bin ich und wenn ja wie viele?" Corporate identity? Erscheinungsbild? Web-Auftritt? Das sind Fragen für größere Organisationen. Da muss gklärt werden, wer unter welchem und in wessen Namen twittert, blogt und facebookt.

Plötzlich schlägt die weiter oben geschilderte zeitweilige Überbürdung in puncto Engagement in einen Vorteil um. Ich agiere, entscheide, mache. Ich kann reagieren, wenn ich will, und es lassen. Ich bin aktuell – oder auch langsam (wobei ja das Theater ohnehin ein langsames "Medium" ist).

Letztlich bin ich autonom (so weit man das überhaupt sein kann) und vermeide Fremdbestimmung. Ich muss nicht arbeitsteilig jobben, sondern mache "meine" Arbeit. Ich bin der Schwager der Kollegin, die in ihrem facebook-Profil gesteht: "Ich bin mit meinem Beruf verheiratet."

3 Gedanken zu “stArt09 – leider nur kurz

  1. Dazu einige Gedanken: Ich glaube, es ist nicht nur die Autonomie die für die "Freien" in der Kultur vorteilhaft ist, sondern auch sehr die Authentizität. Und um sich diese zu bewahren und weiterhin freie Kultur zu schaffen, bedarf es genau dieser oben beschriebenen Passion. Vor Jahren gab es in NRW eine Gründer-Offensive mit dem Slogan: "Flexibilität ist eine Schlüsselfunktion" und die "Subventionierten Großen" sind diesbezüglich oft durch Ihre inneren Strukturen unfreier. Kultur ist in erster Linie Basis unserer Gesellschaft und nicht vorrangig Wirtschaftsfaktor. Ich würde mir wünschen, daß zukünftige Kulturkonferenzen ihren Schwerpunkt darauf setzen können, die kulturelle Vielfalt zu verbessern und zu stärken. Vielen Dank für diesen stART09-Einblick. Herzliche Grüße Dorothée Hahne

    Liken

  2. Hallo Luise,
    ich lese jetzt gerade auch dein Fazit des Donnerstags auf der stART09. Faszinierend anders! Warum? Das merkt man meines Erachtens schnell. Hier geht es nicht um Unterhaltung, sondern um Mehrwerte und Inspiration. Beides benötigt man wohl, wenn man sich als kleine Kultureinrichtung mit all seinen Problemen aufrecht erhalten will. Und das sag ich als „Kulturbanause“…

    Richtig ist wohl, dass die Leidenschaft für die Sache da sein muss. Die ist bei dir ja wohl spürbar vorhanden. Um so interessanter, wenn sich Kulturschaffende mit Werbung und Marketing befassen. Da prallen bestimmt oft Welten aufeinander. Aber scheinbar geht es ja nicht anders – gerade die kleine Kultureinrichtung muss wohl nach neuen Vermarktungswegen suchen…

    Ich hoffe, die stART09 hat dir Ideen hierzu geben können.

    Und… Schön zu sehen, worum es eigentlich wirklich geht: Den Content, wie du richtigerweise sagst…

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s