Aufruf zum Mut, einfach mal ’nur‘ zu unterhalten


Da findet sich ein Interview mit Nis-Momme Stockmann in der Südwest Presse, in dem der junge Dramatiker ein paar Sachen loslässt, die zu diskutieren sich lohnen würde. Ob es dazu kommt?

Ich greife mal heraus seine Antwort auf die Frage

Was würden Sie gerne am Theaterbetrieb verändern?

STOCKMANN: "Alles. Und auch wieder nichts. Irgendwie zählt man sich doch auch immer ein Stück weit dazu, wenn man zu reformativ daher kommt. Und das will man dringend vermeiden, wenn man den Betrieb kennt.

Um den bleibenden Schaden des Anachronismus abzuwenden (also vor allen Dingen das Fernbleiben junger Menschen), wäre es für das Theater wichtig, sich zu ent-eiteln. Denn in Wahrheit – so nimmt das die ganze Außenwelt wahr – ist es an der Grenze zum Peinlichen, mit dem Begriff "Regisseur" und/oder vor allen Dingen "Dramatiker" sich und allen anderen eine Zeitgemäßheit vorzugaukeln.

Theatereitelkeit ist doppelt tugendschlecht: Weil der Betrieb eben so krötig in seiner eigenen Schlacke hockt, fehlt einem oft noch dazu die soziale Feinmotorik, die Albernheit als solche wahrzunehmen.

Eine großartige Veränderung wäre es, wenn Theater wieder ein Ort wäre, an dem polarisiert wird, an dem große Reibung stattfindet.

Aber auch hier gilt meist: Ich geh mit der Meinung raus, mit der ich reinging, und diese teile ich mit Regisseur und Autor. Ich nehme mich da nicht aus.

Auf dem Papier ist Theater aber ein Ort mit der Möglichkeit, unbequeme Diskurse anzustoßen und zu debattieren. Aber vielleicht ist das viel. Reichen würde auch schon, wenn das Theater einfach mal den Mut hätte, 'nur' unterhaltend zu sein und es diese bescheuerte Kopplung von Relevanz und Unterhaltung in dasselbe Archiv steckte, wo auch schon das interaktive Theater sein verdientes Ende fristet.

Theater kann aber auch ganz groß sein, anarchistisch, beseelt, lebendig und bunt – so wie kein anderes Medium. Wenn es darf. Und es darf, wenn es will."

Ja —- jetzt aber – das lass ich mir nochmal auf der Zunge zergehen: "Reichen würde auch schon, wenn das Theater einfach mal den Mut hätte, 'nur' unterhaltend zu sein und es diese bescheuerte Kopplung von Relevanz und Unterhaltung in dasselbe Archiv steckte, wo auch schon das interaktive Theater sein verdientes Ende fristet."

Info: Nis-Momme Stockmanns Stück "Kein Schiff wird kommen" feiert am Freitag, 19. Februar 2010 Uraufführung in Stuttgart.

Posted via web from augustheater's posterous

 

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