Was mich so umtreibt, k??nstlerisch, nachts


„Der nackte Wahnsinn“ ist ein meist als Superkom??die verschlissenes b??ses St??ck ??bern Theaterschmiere. Verschmieren ist schrecklich. Alles verschludern lassen, „ist doch wurscht“, „das Publikum merkt doch nix“. Wer in einer Schmiere verhaftet ist und noch einen Funken von irgendwas in sich sp??rt, findet das, was da in „Der nackte Wahnsinn“ das Publikum zum Schenkelklopfen veranlasst, ganz und gar nicht lustig, sondern eher: Peinlich! Unverzeihlich! Unprofessionell! Verabscheuungsw??rdig.!

??bers Versteinern, das Erstarren gibt es noch kein St??ck. Dabei ist das Versteinern, das Erstarren mindestens so ??bel wie das Verschmieren, also eher: Peinlich! Unverzeihlich! Unprofessionell! Verabscheuungsw??rdig!

Im Theater geht es doch um das Leben, ums Lebendige. Das Leben an sich ist Chaos. Ordnung ist Tod. Wer spielt lebt, und wer lebt, spielt.?? „Ist doch egal“ f??hrt zum Verschmieren. Bewusst ver??ndern-wollen, verbessern-wollen – das verhindert das Versteinern. Das aber setzt voraus, dass die (Schau-)Spieler wirklich spielen wollen, sich nicht an (vielleicht zur Premiere) Erreichtes klammern, den Prozess wollen, auf den Progress gierig sind, auf die Ausrede verzichten „Ich mach doch alles, was der Regisseur gesagt hat.“

Es war schon immer eine Gemeinheit zu sagen: „Du hast dich ??berhaupt nicht ver??ndert.“ Wer ??ber einen l??ngeren Zeitraum ein St??ck spielt und dabei seiner Rolle keine neuen Facetten abgewinnt, die auch nach au??en sichtbar werden, wer bei einer Wiederaufnahme 1 : 1 reproduzieren will, kann sich gleich einen Spaten nehmen.

Wenn ich in einem freien Ensemble (also da zumindestens doch!) arbeite, erwarte ich Lust auf?? Leben, den Ehrgeiz, immer besser werden zu wollen, den Drang, Abend f??r Abend das Publikum gewinnen zu wollen. Wie selten treffe ich auf einen oder eine, der oder die mich im Laufe einer Auff??hrungsserie in diesem Sinne anheizt, anstachelt, ant??rnt, weiter voran zu kommen. Genauso selten treffe ich auf eine oder einen, die oder der mich im Laufe einer Auff??hrungsserie fragt, wie wir zusammen etwas weitertreiben k??nnten, dran rum-macht, wie man bestimmte Dinge besser setzt.

Mein Drang dazu wird eher als l??stig empfunden, meine Versuche in diese Richtung werden abgewehrt, geblockt. Tipps? Will kaum noch jemand. Es k??nnen doch schon alle alles. Der Versuch, etwas weiter geben, an Erfahrungen teilhaben lassen zu wollen, wird?? neuerdings sogar als „Mobbing“ angesehen. Das ist der Hammer. Jeder Gastwirt kann seinen Angestellten, seien sie noch so lange schon bei ihm besch??ftigt,?? Anweisungen geben, wie sie das Verhalten gegen??ber den G??sten verbessern. Schauspieler dagegen wollen einfach in Ruhe gelassen werden

Die allermeisten sind froh, wenn sie fertig sind. Bo eyh! Ein Schauspieler, der fertig ist. Die Sprechmaschine liefert ihren Text ab und f??hrt die Abend f??r Abend rein ??u??erlich die Regieanweisungen aus. Er meint gar nie, was er sagt, h??rt einfach nie zu, reagiert nie wirklich, nimmt nie ab, setzt nie dr??ber. Glaubt nicht, dass ihm so niemand glaubt. Und daf??r will er Applaus. Und Honorar.

Erhellend ist, was das Rechtslexikon-online zum Stichwort „Honorar“ sagt:

Honorar: Verg??tung f??r freiberufliche T??tigkeiten.Das Wort entstammt dem lateinischen Wort ‚honorarium‘, was soviel wie ‚Ehrengeschenk‘ bedeutet.?? Zu den freien Berufen geh??ren die Berufe, die aufgrund besonderer Qualifikation oder sch??pferischer Begabung die pers??nliche, eigenverantwortliche und unabh??ngige Erbringung von Dienstleistungen h??herer Art zum Gegenstand haben.“

Wer freier K??nstler sein will, (also der zumindestens doch!) sollte sich die Honorar-Definition (eine weitere lesenswerte Worterl??uterung findet man hier) mal auf der Zunge zergehen lassen. „pers??nliche, eigenverantwortliche und unabh??ngige Erbringung von Dienstleistungen h??herer Art“. Aber hallo! Das ist zwar so wenig wirklich justitiabel wie das Gewissen im Grundgesetz. Aber: Gehen wir davon aus, dass die „Erbringung einer Dienstleistung h??herer Art“ bei vertraglichen Vereinbarungen zwischen freien K??nstlern als ??quivalent f??r die Honorarzahlung betrachtet werden kann, da k??nnte ich manches Mal zweifeln, ob ich immer die volle Summe zahlen muss.

Wer muss was? Wer darf was? Was darf man fordern, wenn man zus??tzlich zur eigenen k??nstlerischen Arbeit (als Darsteller, Regisseur) auch noch weiteres Risiko geht, indem man ein Haus mit allen damit zusammenh??ngenden Kosten betreibt, welches ja ??berhaupt die Basis bietet f??r (Honorar-)Vereinbarungen. Wer ist denn hier in welchem Sinne frei? Wie hoch darf?? die k??nstlerische Latte gelegt werden? Was ist zu tun, wenn aus meiner in diesem Falle ma??geblichen Sicht heraus die Dienstleistung h??herer Art meinen k??nstlerischen Anspr??chen nicht gen??gt und in einer mich nicht befriedigenden Weise, ja nicht mal ausreichend erbracht wird? Was ist mit Inspizienz und Abendregie?

In Kai Hensels „Klamms Krieg“ sagt Klamm ??ber den Lehrer, der den „p??dagogischen Eros“ nicht mehr versp??rt: „… dann muss er aufgeben, sofort, ab in die Fr??hpensionierung, sonst wird er verr??ckt – oder er erschie??t sich am besten gleich.“ Das gilt analog f??r den Schauspieler, der den zu seinem Beruf geh??renden Eros nicht mehr sp??rt, der (immer ganz) fertig ist: „… dann muss er aufgeben …“

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