Autor publiziert unkonventionell Unkonventionelles


Er stammt aus Ulm, wohnt derzeit in Zürich und schreibt fürs globale Dorf, für alle Welt. Potentiell : Oliver Bendel. So, wie man grenzenlos telefonieren kann, so kann man auch seine literarischen Werke weltweit lesen. Bendel ist europaweit als Autor ein Pionier dieser innovativen Publikationsart.

Oliver BendelJüngst ist ein schöner Artikel über Romane fürs Handy erschienen, in der Neuen Züricher Zeitung (im NZZfolio). Da kann man sich viel Wissen holen über Handy-Romane. Der Autor des NZZ-Artikels, Konrad Muschg, in Tokio lebender freier Journalist, erwähnt am Ende seines Artikels auch Oliver Bendel:

„Wie vieles, was bei Japans Jugend boomt, schwappte auch die Handyroman-Welle auf benachbarte Länder über. In Südkorea, Taiwan und in China haben sich entsprechende Online-Gemeinschaften gebildet. In den USA gibt es nach anfänglich wenig erfolgreichen literarischen Experimenten auf Twitter mehrere Micro-Blogging- und Handyroman-Websites wie Quillpill oder Textnovel, erste Gehversuche wurden auch in Indien und Südafrika gemacht. Im deutschen Sprachraum gilt der in Zürich lebende Oliver Bendel, der als einer der wenigen europäischen Autoren seit 2007 auch Handyromane schreibt, als Pionier.“

Nachdem ich seit einem Vierteljahrhundert mit ihm (sporadischen) Kontakt habe, hat mir Oliver Bendel seine neuesten Pläne verraten:

„Ich liebäugle im Moment damit, meine Handyromane drucken zu lassen (zum Glück habe ich nur die mobilen Rechte verkauft). Diese Woche kommt 'Handygirl – Part III' heraus, in zwei, drei Monaten der dritte Band von 'Lucy Luder'.“ Vor ein paar Monaten hat sich ein bekannter Verlag bei ihm gemeldet, von dem er sagt: „Die wären der richtige Partner dafür. Aber vielleicht gebe ich es auch in einen kleineren Verlag. Es müssten ganz spezielle Bücher werden.“

Bendel wollte eigentlich immer Schriftsteller werden, studierte in Konstanz Philosophie und Germanistik, stellte fest: "Das Studium war das Aus für meine Kreativität." Er orientierte sich dann um, promovierte in Wirtschaftsinformatik und ist inzwischen Professor für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft in Basel (Fachhochschule Nordwestschweiz). Seit einiger Zeit schreibt er wieder – ganz traditionell Bücher, aber auch eben Sachen, die man nur via Handy lesen kann.

Und da ist er wieder bei einem Genre gelandet, mit dem er vor Jahrzehnten, mit 16, in Ulm auffällig geworden war, beim „Salon“ im „theater im fundus“, bei „Junge Wilde treffen wilde Alte“, wo man sich gegenseitig vorstellte, woran man gerade arbeitete. Bei Oliver Bendel war das: Lyrik (einiges wurde auch in der Südwest Presse-Beilage U30 veröffentlicht).

Er selbst kommentiert: „Inzwischen bin ich 'back to the roots' und schreibe Lyrik, genauer gesagt Haikus, noch genauer gesagt Handyhaikus. In ein paar Wochen kamen 200 zusammen, die nun auf verschiedene Weise veröffentlicht werden. In gedruckter Form, zusammen mit QR-Codes; dann direkt als Buch für Handys; und noch in dieser und jener Weise. Die ersten hundert habe ich Handyhaikus genannt, Haikus über und für das Handy (darunter aber auch Haikus zu künstlichen Wesen, Maschinenmenschen etc.), die zweiten hundert Liebeshaikus.“ Ein paar der ersten Sammlung findet man hier (unbedingt mal hinklicken!).

QR-Codes sind grafische Muster, die ähnlich wie ein Strichcode im Supermarkt Daten enthalten. Mit einer Handy-Kamera und einem QR-Code-Reader, der im Internet kostenlos heruntergeladen werden kann, werden aus dem grafischen Muster wieder Buchstaben, die man per SMS verschicken kann.

Oliver Bendel spukt aber wohl auch noch ganz anderes als die Literatur-Minis im Kopf herum, das lässt sich aus der Bemerkung schließen: „Der grosse Entwicklungsroman steht bei mir noch aus und ist auch eine Zeitfrage…“ Eines seiner „normalen“ Bücher, seine "Künstliche Kreaturen" hatte er in etwa drei Wochen geschrieben. Wir sind gespannt und halten uns auf dem Laufenden.

Posted via email from augustheater's posterous

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