Die fünfte Symphonie


Theatermacher sollten doch über „Theater“ bloggen. Sie sollten einfach über Ihre Idee von Theater schreiben. Oder über ihre Art, Theater zu machen. Richtig Reklame sollten sie natürlich nicht machen für ihr Theater oder ihre Art, Theater zu machen.

Oder? Dabei will doch „tous le monde“ eine Bühne sein. Und tatsächlich (wie Shakespeare sagte): Alle Fraun und Männer sind nur Spieler. Und die meisten sind Falschspieler. Schlechtspieler.

Guckt Euch um! Wundert Euch nicht! Soviele Pflaumen, wie man gerade beobachten kann, gab es schon immer. In unseren Breitengraden und in den letzten 150 Jahren ist für einige von uns einiges ganz gut gelaufen. Aber der Rest: Mieses Theater. Blut und Sperma. Und soviel Idiotie!

Was sollen wir auf die Bühne bringen? „www.slums.de“ von René Pollesch? Oder Sarah Kanes „4.48 psychose„? Oder Mark Ravenhill „Shoot / Get Treasure / Repeat„?

Hallo?

Die tragische Situation? Doch nicht mehr zum Hunderttausendsten: ob Antigone ihren Bruder begraben soll oder nicht. Nein: Soll Gauck kandidieren oder nicht? Der erste Ostdeutsche, der Bundespräsident werden und damit den Abgang der ersten Kanzlerin besiegeln könnte, noch dazu einer ostdeutschen Kanzlerin. Hätte sie ihm nicht bloß zum 70sten mit Pathos gratuliert, sondern ihn ganz nüchtern nominiert, stünde sie top da. Auch sie eine tragische Figur – was sie auch tut, sie scheitert.

Warum also sollten wir immer nochmals sagen, ews sei was faul im Staate Dänemark? Es gäbe neue Stoffe jede Menge. Wo bleibt die Komödie zum Thema Intelligenz und Religion? Da wäre längst was fällig. Wie sagte schon der arabische Dichter und Schriftsteller Abu’l-Ala-Al-Ma’arri (973 – 1057): „In dieser Welt gibt es nur zwei Sorten Menschen – intelligente Menschen ohne Religion und religiöse Menschen ohne Intelligenz.“

Es springen jede Menge Knalltüten rum. Noch immer. Guckt Euch um. So wie Kepler jede Menge Naturgesetzliches rausfand und dennoch an Hexen glaubte; so wie Luther gegen allen möglichen Unsinn der Römischen wetterte und doch an Hexen glaubte; genauso bilden wir uns was ein auf alles mögliche Moderne und glauben dennoch den größten Schwachsinn. Dabei ist das Leben wie ein koreanischer Video-Recorder: Wir packen ihn aus und – können die Gebrausanleitung nicht lesen.

Der Spott wird uns ausgetrieben. Notfalls mit Sprengstoffgürteln und Kofferbomben. Wenn sich die Armen auch sooo an etwas klammern müssen … So wie damals, zum Beginn der Aufklärung (ausgerechnet!), als die Würstchen 200.000 Frauen als Hexen verbrennen mussten, um sich ihrer selbst zu vergewissern. Es hörte erst auf, weil die Henker zu teuer wurden. Und die Männer wehrten sich erst gegen das Foltern und töten ihrer Frauen, als sie dafür auch noch zahlen sollten. Ab dann verliefen die Hexenprozesse im Sande.

Was wollte ich sagen? Die Menschen heute sind so blöde, wie sie immer waren. Und deswegen hätten wir jede Menge top-aktuellen Stoff für unsere Bühnen. Allerdings ist es insofern schwierig, als nicht soooo schrecklich viele in den Spiegel gucken wollen, vor allem, wenn sie dafür auch noch zahlen sollen. Also spielen wir die alten Sachen (Klassiker) und fordern das Publikum auf, sich den Bezug zu heute an den Haaren herbeizuziehen. Was das Publikum schön bleiben lässt … Und so wird der Bildungsauftrag erfüllt, ohne dass irgendwas … (Hier bricht das Manuskript ab und wir erfahren nicht, weshalb das Werk „Die fünfte Symphonie“ heißt.)

Posted via email from augustheater’s posterous

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