Wie intelligent sind Intellektuelle?


Vor einiger Zeit sah ich „Trainspotting“ in der Volksbühne (Berlin). Nach einem (gefühlt fünfminütigen) Monolog der Darstellerin, von dem mir im Gedächtnis geblieben ist die endlos wiederholte Schleife „Ja so ein Arschloch, ja, so ein verficktes Arschloch, das ist ja sowas von einem Arschloch“, kotzte jemand im Publikum wie ein Reiher. Es stank blitzschnell bestialisch.
Viele Zuschauer wollten raus. Der dickste und größte Schauspieler, ein vierschrötiger Kahlkopf (im Schottenrock mit Springerstiefeln) herrschte das Publikum an: „Sitzenbleiben!“ Er versperrte den schmalen Ausgang (bei dieser Inszenierung saß dasPublikum auf einer Tribüne auf der Bühne, mit Blick auf den eigentlichen Zuschauerraum).

Zehn Minuten dauerte es etwa, bis jemand die Kotze unter den Tribünen weggewischt hatte. Zwischendurch kam einer von zwei weiteren Schauspielern (der Vierschrötige bewachte den Ausgang, das Bett war abgeschoben worden) auf die Szene, fragte, wie weit die Wegwischrei sei und meinte seufzend: „Jetzt müsste man improvisieren können.“

Irgendwann ging die Aufführung weiter. Und dann kam der eigentliche Hammer: Am Schluss hatten die drei männlichen Darsteller einen Epilog, den sie una voce zu sprechen hatten, Inhalt sinngemäß: Da das Stück ein Thema behandle, mit dem sie als Theaterleute nicht sooo vertraut seien, seien sie ins Randexistenzen-Milieu eingetaucht und hätten sechs Wochen Studien betrieben, um bei der Aufführung gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein …

An diese Geschichte muss ich nun denken, während ich gerade den heutigen (24. Juni 2010) Aufmacher des Feuilletons der Süddeutschen Zeitung lese und auch noch die Ankündigung der Volksbühne im Internet gegenrecherchiere.

Ich neige nun nicht so zum Kotzen. Aber: So unglaubwürdig wie ich „Trainspotting“ (auch ohne das Kotz-Intermezzo und den entlarvenden, mindestens an dem Abend besser gestrichenen Epilog) fand, so daneben finde ich diese Geschichte: „Idee des Kommunismus. Philosophie und Kunst“, aber hallo, da schüttelt es mich. Und ich frage mich: Wie intelligent sind Intellektuelle?

Aber ich bin ja auch (beinahe) nur (noch ausschließlich) ein Komödiant.

 

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