Menschenmassen und Moneten


Seht Ihr, so wie die wirklich glorreiche Süddeutsche Zeitung hier können es die „Großen“  plötzlich auch sehen. Ich hatte das Ganze von Anfang an in umfassenderem Sinne als (gesellschafts-)politisches Ding betrachtet. Kritisch beäugt. Masse. Millionen. Milliarden. Menschen oder Moneten. Moneten und Menschen. Da gefällt mir der alteund ganz schön grandiose Theater- und Opernregisseur Hans Neuenfels hier im Gespräch mit Hans-Juergen Fink noch mal so gut, wenn er unter anderem sagt: 

Neuenfels: … das Theater, auch Bücher, Bilder. Ich glaube, dass Kunst die einzige Chance ist, ein Leben zu beeindrucken, durch Überraschung, Verwandlung, Ergriffenheit. Sie kann Dinge formulieren, die man sonst nur träumen würde.

Und eine andere Passage:

Neuenfels: Ja. Es ist der letzte Weg, die Welt zu retten – aus Indifferenz, aus Entleerung. Wir haben keine Utopien mehr. Wir haben nur Informationen, Nachrichten, wir haben keine Inhalte mehr. Es gibt zurzeit sehr wenig Fortschritt. Das kann ganz schön depressiv machen. Frage: Was soll dann Angela Merkel am Sonntag mitnehmen aus der Premiere? Neuenfels: Das ist eine entscheidende Frage. Ich denke, sie müsste unbedingt überlegen, was Politik sein könnte , als Entwurf. Und nicht nur sehen, was die Tagespolitik ist. Wir haben überlegt, dass wir Frau Merkel noch 20, 30 weitere Verbote und Gebote überreichen müssten, die Lebensweise in Deutschland betreffend – um auch da unausweichliche Antworten zu provozieren.

Frage: Zum Beispiel …?

Neuenfels: Nicht mehr reisen, Ausländer fördern, Rauchverbot aufheben, Trinker bestrafen, fette Speisen kontrollieren, Theaterbesuch verordnen … so widersinnige Thesen. Wir müssten ein Manifest der Widersinnigkeiten gegen die Kleinlichkeiten der Regierungsform setzen, eine Art Happening. Aber sie muss keine Angst haben: Wir tun es nicht.

Frage: Wenn Handlung und Wirklichkeit so depressiv sind, was bleibt dann?

Neuenfels: Die Musik.

Wenn’s morgen regnet, spiel ich zwei Stunden (mordsviel Text und Adrenalin) für 55 im Kuhstall, wenn’s nicht regnet: für 185 im Wirtsgarten davor. Worauf soll ich mich mehr freuen?

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