Freude machen bringt Flow


Der Sommer hatte es in sich: Bei der Eigenproduktion "Die Liebe geht durch den Magen" war man nicht gezwungen, an einem fremden Text zu kleben, sondern konnte von Show zu Show immer wieder revidieren und aktualisieren, konnte auch extemporieren. Einfüsse gab es ja genug. Vor allem die Lektüre von Allan und Barbara Pease "Warum Männer immer Sex wollen und Frauen von Liebe träumen" regte an sich schon mächtig an. Aber auch, wenn so ein Buch keine Links hat – es verführt doch, im Text enthaltenen Hinweisen nachzugehen.

"Eros, Ehe, Hosenteufel" von Reinhold Dörrzapf war eine zum Lesen zwingende Frucht der Recherche. Und dann pfuschte Spitzers "Lernen" nochmal dazwischen, Bill Bryson "Eine kurze Geschichte von fast allem" muuste ich nochmals quer lesen. Der Dölrrzapf zwang mich zum Googeln über Hormone, und flankierend befeuerten Andrea C. Busch mit ihren Schmökern "Mord zwischen Messer & Gabel" und (dem zusammen mit Almuth Heuner verfassten) "Mord zum Dessert" die graue Masse mit dem einen oder anderen Gedanken. Tatsächlich fand ich auch noch zu Schuhbecks "Meine Küche der Gewürze" und selbst "Waldis WM-Club" blieb nicht ohne Folgen, wie man hier hören kann.

Ich war also gut beschäftigt für insgesamt acht Shows, wobei "Die Liebe geht durch den Magen" es uns dann derart angetan hat, dass wir das Silvestern noch zweimal auf den Spielplan setzen. Dann dachte ich: "Gut, im Herbst erst mal weiter 'Versteh einer die Frauen' und 'Frühstück bei Kellermanns' spielen, dann 'Venedig im Schnee' inszenieren, mit 'Penny Lane' eine Gast-Produktion implantieren und womöglich ein Zwei-Männerstück wie 'Marathon' von Tony Dunham mit den zwei Kollegen aus 'Venedig im Schnee' realisieren – dann ist die Saison bis Silvester gelaufen."

Nu lässt mich aber die Idee eines Stückes für drei "olle Säcke" nicht mehr los. Prechts "Wer bin ich – und wenn ja, wie viele" hat mich noch bestärkt. Die Stories über Adorf zu seinem 80., ein SZ-Interview aus dem gleichen "Runder-Geburtstag"-Anlass mit dem erstaunlich denkenden Michel Serres, eine SZ-Seite-3-Reportage über den 88-jährigen Montaigne-Übersetzer Hans Stilett, dazu ein zufällig geschautes "Menschen hautnah" des WDR mit dem Titel: "Auch Männer werden alt" – und vor allem die Hundertschaften alter Männer, die ich im Sommer auf den Plätzen und in den Cafés der Orte an der Ligurischen Küste beobachten durfte, wie sie schwatzend, scherzend und reichlich lebendig den Tag verbrachten – all' das reizt mich "Auf dieser Seite des Paradieses. Helden auf dem Abstellgleis" in Form zu gießen. In eine Form, die allen Beteiligten Spaß macht, auf, hinter und vor der Bühne.

Acht Wochen geb ich mir zum Schreiben. Dann muss geprobt werden. Irgendwann Mitte Dezember soll die Premiere steigen. Warum das alles? Anderen Freude zu machen, bringt den meisten Flow. Deswegen spielen wir unter dem blumigen Motto "Wir versonnen den Herbst" auch im kommenden Theaterjahr, welches für uns das 30. Jahr gemeinsamen Spielens ist, vorwiegend aus dem prallen Leben Gegriffenes und dabei selbstredend Humorvolles. Klaro: Humor ist und bleibt "der Schwimmgürtel auf dem Strome des Lebens" (Wilhelm Raabe), "der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt" (Joachim Ringelnatz).

Nachdem ich mich den Sommer über in Regionen rumgetrieben habe, in denen icht nicht so gut online gehen konnte, ist der erste blog-post (wieder mal) etwas länger geraten. Wer mir bis hierher gefolgt ist: Danke. Zum Abschluss: Die Resonanzen auf das Pressegespräch "Rückblick auf die letzte Spielzeit / Ausblick auf die neue Saison" – einmal von der Neu-Ulmer Zeitung und zum anderen von der Südwest Presse.

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