Ich gehöre eigentlich nicht hierher


Helden auf dem Abstellgleis - Plakat

Guten Abend, die Herrschaften. Guten Abend, die Dame. Guten Abend, der Herr. Lassen Sie mich einen Blick in Ihre Reisedokumente werfen, bitte. Ich möchte Sie keineswegs kontrollieren. Vielmehr erhoffe ich mir einen Aufschluss, wo ich mich befinde und wohin die Reise geht. Ehrlich gestanden: Ich fühle mich hier fremd. Ich gehöre eigentlich nicht hierher. Für ich sieht hier alles so aus, wie man mir die Holodecks beschrieben hat. Es ist für mich etwas strange hier. Wenn es eine Ordnung gibt – ich durchschaue sie nicht. Deswegen gehe ich nie auf Holodecks. Sie sind absolut nicht meine Welt. Ach, ich glaube ich vergaß, mich vorzustellen: Spock, Mr. Spock. Ich habe ein Thema (Musik „Enterprise“ wird eingespielt).

Dieses Thema deutet meine Aufgabe im Universum an. Ich bin Teil der Crew, welche das Methusalem-Komplott aufdecken soll. Oder soll meine Forschergruppe das Methusalem-Syndrom. Oder ist es der Methusalem-Komplex. Vielleicht gehöre ich ja auch zur Methusalem-Fraktion, die gerade einer eingehenden Untersuchung … … Meine Synapsen scheinen derzeit nicht korrekt verdrahtet. Mir fallen Begriffe nicht ein, ich vollende angefangene Satzkonstrktionen in eher emotio. In meinen für alle Galaxien gültigen Papieren steht: Freie Fahrt wegen visueller Agnosie. Das hilft, ist aber natürlich Quatsch. Mir kann man nicht „Seelenblindheit“ attestieren, weil meine Seele – und sie dreht sich doch. Ich kannte mal einen Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte. Sowas ist visuelle Agnosie.

Aber scheiß drauf! Fuck it. Ich bin total rational. IQ 147, überkandidelt. Eigentlich gehöre ich sowas von nicht hier her. Ich war nur gezwungen, hierher zukommen, weil ich wegen der Methusalem-Identität hierher ins „Café Abstellgleis“ gesteuert wurde. Was immer Sie auch denken, wo Sie sind – dieses Holodeck ist bullshit. Dieses „Abstellgleis“ ist das Schrägste, was Ihnen passieren kann. Sehen Sie sich doch um.

Zum Beispiel diese beiden Griechen da. Klone, gefakt. Künstliche Kraturen, wahrscheinlich Agenten des Methusalem-Kartells. Avatare mit etlichen Nicknames und Aliasen, um die wahre Identität zu schadorisieren.

Normalerweise gibt sich der eine da, der etwas Ältere, als Sigmund aus und behauptet, er sei der Erfinder des Freudschen Versprechers. Dabei geht er soweit, auch privat mit Wiener Zungenschlag zu reden. Oft singt er auch und renommiert mit einer angeblichen Karriere auf Opernbühnen.

Der andere, er nennt sich oft und gern René, redet oft und gern mit einem von ihm imaginierten Diener und Vertrauten Gillot, kolportiert oft und gern, auf seinem Mist sei der Satz „cogito, ergo sum“ gewachsen, garniert seine Alltagssätze oft und gern mit französischen Ausdrücken wie „merde“, „mercie“ oder "mon dieu“ und trägt genauso oft und gern einen Button mit dem Namen Descartes.

Ziemlich blöde halt. Grad tun die beiden so, als seien sie ein Autor namens Diabetes und ein Schauspieler namens Hepatitis, Figuren aus dem Stück "Gott" von Woody Allen.

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