Sehr surreales Helden-Epos


Das AuGuSTheater beschert sein Publikum kurz vor Weihnachten nochmals mit etwas Neuem: Das fünfte Stück dieser Spielzeit ist gleichzeitig die dritte neue Produktion und: immerhin das 17. selbstverfasste Stück des Theatermacher-Duos Claudia Riese und Heinz Koch. Claudia Riese: "Wie schon häufiger sahen wir uns gezwungen, selbst was zu schreiben, um bestimmte aktuelle, das Publikum echt interessierende Themen künstlerisch aufgreifen zu können."

Diesmal kann zusätzlich das Publikum eingreifen, "mitschreiben": Die ersten drei Vorstellungen des neuen Stücks sind angesetzt als sogenannte "Try outs", bei denen im Zuge einer "Neu-Ulm-Tournée" in einem Eiscafé, in einer Bodega und im zum "Café Abstellgleis" umgebauten Theaterfoyer getestet wird, was wie vor Publikum Bestand hat. Die Erkenntnisse aus den Reaktionen während der Probeaufführungen sowie aus den Gesprächen nachher fließen in das Stück ein, das dann in entsprechender Fassung Anfang Januar Premiere hat.

Das Stück trägt den schönen Titel "Helden auf dem Abstellgleis". Es geht um drei Männer – ihre Geheimnisse und Niederlagen, ihre LebensLügen und RettungsAnker, ihre Träume, ihre TraumTänzerei und PhantasieKonstrukte. Der Untertitel könnte auch lauten: "Hulka, Aigner, Koch". Die drei agieren als René, Sigmund und Mr. Spock, aber auch als Hepatitis, Diabetes und Phidippides.

Heinz Koch: "Wir haben uns ein sehr surreales Heldenepos geschrieben. Rein formal hat uns dabei sehr interessiert, was im Computerzeitalter Alltag ist: das permanente Verschieben von Ebenen. Inhaltlich kommt es nicht von ungefähr, dass eine Facette des Trios mit den Alias-Namen "René, Sigmund , Mr. Spock" umschrieben wird. Tatsache aber ist auch: Wir haben sehr viel dem Alltag abgelauscht. Wir haben einfach nur zugehört, wenn in Cafés, Arztpraxen oder auf Straßen und Plätzen rumgetönt wurde. Unsere Helden (Maulhelden?) verwechseln ständig Wirklichkeit und Fiktion. Sie leben eine Art reales 'Second Live' – Motto: 'Die ganze Welt ist eine Bühne … sein Leben lang spielt einer manche Rolle'. Und die Bühne des Lebens unserer drei sogenannten Helden? Ist vielleicht sowas wie ein Heim für gealterte Künstler (mit 'the same procedure like every day') oder vielleicht sowas wie ein Stammlokal in Punxsutawney (wo täglich das Murmeltier grüßt)."

Jedenfalls werden von den Helden große Worte gelassen ausgesprochen, und es wird manch höherer Blödsinn verzapft. Meist ist das eine vom anderen gar nicht zu unterscheiden. Jeder ist überzeugt, jeder für sich:
Ich gehöre hier eigentlich gar nicht her!

Fragt man sich:Wo sind sie denn?
Weshalb sind sie dann da, wo sie sind?
Unternehmen sie was, um da wegzukommen?

Und: Wohin könnte ihre Reise gehen?
Rund um Lummerland?

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