Publikum bestimmt sein Erlebnis mit!


Zum Theater gehören Zuschauer. Der Maler kann einsam in Atelier arbeiten. Er braucht letztlich immer nur einen, der sein Bild kauft. Der Schauspieler übt seinen Beruf öffentlich aus. Theater ohne Publikum ist kein Theater. Spätestens seit wir die Quantentheorie kennen, wissen wir: Der Beobachter verändert das Beobachtete (das zu Beobachtende).

Es ist ein wichtiges Phänomen in der Quantentheorie, dass die Dinge sich anders verhalten, wenn jemand zuschaut, als wenn niemand zuschaut.

Wenn sich schon die Dinge anders verhalten, um wieviel mehr dann die Menschen, wenn sie registrieren, bewusst und mehr noch unbewusst, dass sie beobachtet werden. Man überlege einfach, was mit einem passiert, wenn man beispielsweise in einem Café feststellt, dass eine (womöglich attraktive) Person einen immer wieder ansieht und offenkundig Interesse zeigt.

Im Theater sind die Zuschauer Teil der Aufführung. 50 Prozent des Gelingens einer Theateraufführung hängen vom Publikum ab. Andersherum: Wenn den Leuten was nicht gefällt, liegt es zu 50 Prozent an ihnen selbst.  Hat das Publikum keinen Zugang zu dem, was auf der Bühne passiert, verschließt es sich, ist es bockig, kann es am Bühnengeschehen nichts finden, versteht es akustisch, inhaltlich-thematisch nicht – läuft das Spiel ins Leere.

In solchen Fällen sagt das Publikum gerne: Das war nichts. Das war schlecht. Einen solchen Quatsch hab ich noch nie gesehen. Was da geboten wurde, war das Eintrittsgeld nicht wert.

Die Schauspieler hatten auf der Bühne vielleicht den eisigen Wind der Ablehnung oder diese Gegenströmung des Unverständnisses gespürt, mindestens unbewusst (nehmen wir doch ohnehin nur 0,1 Prozent der auf uns einwirkenden Informationen bewusst auf). Sie reagierten darauf auch – vorwiegend unbewusst – mit eingeschränktem Potential. So wie sie sich andererseits von Hochstimmung im Publikum auch dazu hinreißen lassen, „dem Affen Zucker zu geben“.

Drücken wir es literarischer aus und wählen dazu eine Passage aus dem „Vorspiel auf dem Theater“ („Faust I“ / Goethe, hier der Link zum kompletten Text: http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3448&kapitel=2&cHash=f2061be284chap002#gb_found).

Da sagt der Theater-Direktor (zum Dichter) unter anderem:

Bedenkt, Ihr habet weiches Holz zu spalten,
Und seht nur hin, für wen Ihr schreibt!
Wenn diesen Langeweile treibt,
Kommt jener satt vom übertischten Mahle,
Und, was das Allerschlimmste bleibt,
Gar mancher kommt vom Lesen der Journale.
Man eilt zerstreut zu uns, wie zu den Maskenfesten,
Und Neugier nur beflügelt jeden Schritt;
Die Damen geben sich und ihren Putz zum besten
Und spielen ohne Gage mit.
Was träumet Ihr auf Eurer Dichterhöhe?
Was macht ein volles Haus Euch froh?
Beseht die Gönner in der Nähe!
Halb sind sie kalt, halb sind sie roh.
Der, nach dem Schauspiel, hofft ein Kartenspiel,
Der eine wilde Nacht an einer Dirne Busen.
Was plagt ihr armen Toren viel,
Zu solchem Zweck, die holden Musen?
Ich sag Euch, gebt nur mehr und immer, immer mehr,
So könnt Ihr Euch vom Ziele nie verirren
Sucht nur die Menschen zu verwirren,
Sie zu befriedigen, ist schwer –

So manches (Theater-) Problem ist also seit langem bekannt.

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