Die Dernière von „Venedig im Schnee“ – rundum der Hammer!


Oh – das war ja wirklich toll, wie diese letzte Show von „Venedig im Schnee“ gelaufen ist: ein Ensemble in Hochform und das Drumherum, wie man so schön sagt: erste Sahne. Schöner kann man es sich nicht erträumen.

Dabei hatte es morgens nicht so gut begonnen. Zwar hatt die Redaktion der lokalen Sonntagszeitung eine liebevolle Notiz gebracht und trotz Redaktionsschlusszeitenstress noch die Info untergebracht, dass der Autor des Stückes eigens von Paris nach Neu-Ulm (lasst Euch das auf der Zunge zergehen) gereist käme. Aber: Das dazu veröffentlichte große Foto zeigte zwei fremde, auch uns unbekannte Schauspieler, die laut Bildunterschrift angeblich bei uns spielen.

Aber das war das einzige Manko des Tages. Gilles Dyrek, der Autor, kam tatsächlich per TGV. Er war vorher schon mal in Ulm, als Schüler, hatte damals in der Jugendherberge auf dem Kuhberg gewohnt, bei einem seiner insgesamt vier Deutschlandbesuche vor rund 20 Jahren. Seitdem hatte er kein Deutsch mehr gesprochen. Dass er in seinem Stück nur „Bahnhof“ verstehen würde, war nicht zu erwarten – hatte er doch in „Venedig im Schnee“ („Venise sous la neige“), seinem bislang erfolgreichsten Stück, selbst mehrere hundert Mal gespielt, beide Männerrollen, den Jean-Luc, aber auch den Christophe (den er sich ursprünglich auf den Leib geschrieben hatte).

Wie er uns nach der Vorstellung beim gemeinsamen Nachtessen (mit dem gesamten Ensemble im „Michelangelo“ an der Herdbrücke in Ulm) erzählte, hat bei uns noch einmal die Urfassung seines Stückes gesehen, die – ungeachtet etlicher Aktualisierungen – vom deutschen Verlag noch immer vertrieben wird. Er war sehr angetan, schrieb ins Gästebuch: „Stropié!!! Felicitations – vielen Dank – Gilles Dyrek.“

An unsere Pinnwand auf Facebook postete er noch dezidierter: „Danke für Ihre Aufnahme. Ihr Theater hat eine sehr schöne Seele. Ihr Vorstellung war ein schönes Geschenk für mich. Sie haben mir eine große Freude gemacht. Ich liebe sehr ihr AuGuSTheater. Noch bravo für die ausgezeichneten Schauspieler. Mit Freundschaft Gilles Dyrek“

Seine Glückwünsche (felicitations) wiederholte er auch mündlich allen Beteiligten gegenüber, immer wieder, einzeln und global. Na ja, er hatte ja auch viel lachen müssen und auch heftig Zwischenbeifall und Schlussapplaus gespendet.

Apropos Schlussapplaus: Dazu holten wir ihn natürlich auf die Bühne. Und außerdem holten wir auf die Bühne Christa Dubois. Sie und ihre Tochter Varinia Dubois waren heute erstmals bei uns im Theater. Varinia Dubois hatte allerdings „Venise sous la neige“, eine der meistgespielten Komödien Europas, schon zwei Mal gesehen, einmal in Paris im Theater und dann noch mal im französischen Fernsehen.

Mutter und Tochter kommen, wie ihr Name vermuten lässt, aus Frankreich. Und sitzen nun erwartungsfroh im AuGuSTheater in der dritten Reihe, um dann – völlig überrascht – einen Mann vor die Nase gesetzt zu bekommen, der, wie sie einer Bemerkung des Platzanweisers entnehmen, Franzose ist, nicht nur das: Er ist der Autor und: wohnt, wie sie selbst, in Fresnes-Paris.

Das ist nicht alles: Crista Dubois ist eine geborene Oertelt aus der Hasslerstraße in Ulm (en passant: einen Steinwurf entfernt von der Jugendherberge, in der Gilles Dyrek damals gewohnt hatte), die eben irgendwann nach Fresnes-Paris gezogen war. Crista Oertelt kannte das Theater (genauer: den damaligen „Konzertsaal“) noch von vor Jahren, da sie als zwölfjährige Ballettratte dort getanzt und sich just an demselben stählernen Feuerlöschschlauchbehälter ein Loch in den Kopf  geschlagen hatte wie unlängst der jetzige Theaterleiter.

Jetzt lassen wir die Anekdoten und Gemeinsamkeiten.

Es war ganz herrliches Publikum in der Dernière. Drei junge Männer (so um die 20) zum Beispiel, die nachher gestanden, sie hätten vorher nicht gedacht, dass Theater so viel Spaß machen könnte. Die meisten Leute kann man natürlich nicht persönlich kennen, aber einige haben uns den Abend mitverschönert, die auch zu unserem fb-Freundeskreis gehören: die Neu-Ulmer Freischaffende Lilith Milkyway („Hab mich köstlich amüsiert ((°: Danke“), der Kollege Gerard Hulka, Renate Koch, der Kollege Matthias Born („Es war ein sehr schöner Abend… Danke!!!!“) und Gabriela Sperrle („Vielen Dank für den schönen Theaterabend! Wir werden zukünftig wieder öfter ins Theater gehen! Klasse Stück!“).

Muss noch ergänzt werden: Dieser geballten facebook-„Truppe“ im Parkett (die mindestens durch die erwähnten drei jungen, allerdings namentlich nicht bekannten Männer verstärkt wurde), standen von Seiten des Ensembles gegenüber: die Actricen Claudia Riese und Christiane Reichert, Techniker Moritz Koch, nicht verwandt und nicht verschwägert mit dem Regisseur Heinz Koch. Richard Aigner wohnt irgendwo in Memmingen hinterm Mond, wo es derzeit praktisch noch keinen Internetzugang gibt. Und Holger Menzel will sich immer mal wieder auf fb anmelden … Bei der Absicht bleibt’s derzeit. Facebook ist aber auch überall…

Es ist zwar schon spät; morgen wird umgebaut auf „Frühstück bei Kellermanns“ und der Text dazu repetiert, parallel beginnen die Proben zu „fast Faust“ – aber vielleicht reicht’s noch, ein paar Fotos hochzuladen.

Und – diesen Abend sozusagen emotional nochmals nachzutarocken. Zu genießen, dass er so schön war, ein Glück zu haben, während viele Menschen parallel um soviel kämpfen (müssen). Der Gilles aus Paris schläft jetzt als Gast eines Kleintheaters in der bayerischen Provinz im „Guestroom“ eines griechischen Freundes, der ein italienisches Eiscafé betreibt. Was wir beim Nachtessen noch über Politik gesprochen haben (er war über die Varianten möglicher baden-württembergischer Wahlausgänge und die jeweiligen Folgen bestens informiert) lassen wir jetzt hier unter den Tisch fallen.

Politisches (wenn auch aus der Historie) hatte er im Laufe des Tages genug gehört, wie Napoleon nach der Bataille d’Ulm das bayerische Oberamt dem Königreich Württemberg zugeschlagen, Ulms Teile rechts der Donau amputiert und Bayern belassen und die Donau zum Grenzfluss zwischen Württemberg und Bayern gemacht hatte; er hatte auch erfahren, dass vor just vor 200 Jahren Neu-Ulm entstanden und diese bis heute eher unmärchenhafte Kommune ausgerechnet vom Märchenkönig Ludwig II. (1869) zur Stadt erhoben worden war; es hatte ihn erschüttert, wie neu (das offenbar im Krieg stark zerstörte) Ulm aussieht (nicht das Neue hatte ihn erschüttert, sondern dass so viel hatte neu gebaut werden müssen). Wenn der am 17 Uhr wieder mit dem TGV Richtung Paris rollt, inklusive Ein- und Ausfahrt Stuttgart, bevor es 21 wird …

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