Ulm links liegen lassen


Glacis-park_in_neu-ulm

Neu-Ulm liegt rechts der Donau. Wer die Donau hinunterpaddelt oder flussabwärts rudert, lässt Ulm links liegen. Nun ist die ehemalige freie Reichsstadt Ulm, die dann später auch bayerisches Oberamt war, bevor sie von Napoleon den Württembergern geschenkt wurde, also dieses Ulm ist schon wichtig für die Region – aber  immer darüber zu starren? Bloß weil der bedeutendste Künstler Neu-Ulms, der Bildhauer Edwin Scharf (1887 – 1955), gesagt hat (oder haben soll): „Das Schönste an Neu-Ulm ist der Blick auf Ulm.“?

Irgendwie geht das manchem auf den Keks. Und jetzt bewegt sich was. Es wird angestoßen ein Projekt „Neu-Ulm 2015“. Das Gebiet rechts der Donau ist vor ziemlich exakt 200 Jahren (Mai 1811) selbständig geworden. Und immerhin war es kein Geringerer als der phantasievolle „Märchenkönig“ Ludwig II., welcher Neu-Ulm ein halbes Jahrhundert später (1869) das Stadtrecht verliehen hat.

Natürlich darf man fragen: Muss man kleinzellig parzellieren? Wäre es nicht besser, die Unterschiede eher zu nivellieren? Vielleicht sollten die beiden Städte (wieder) vereint werden. Aber welchem Bundesland sind sie dann zuzuordnen? Bayern? Baden-Württemberg? Wer entscheidet das? Volksabstimmung? Volksentscheid? Per Ordre de Mufti?

Interessant ist, wie schnell mancher Ulmer Lokalpatriot muckt und zuckt, wenn Neu-Ulmer Selbstbewusstsein an den Tag legen. Normalerweise werden sie belächelt und etwas von oben herab betrachtet. Vielleicht, weil da jenseits der Donau früher die niedrigen Dienstleistungen erbracht wurden. Eher dürfen die Söflinger emanzipiertes Verhalten an den Tag legen  – aber doch nicht Neu-Ulm….

Zuck ich mal die Schultern. Ohne irgendwie auf Gegensatz oder Andersartigkeit rumzureiten, ohne Geplänkel – auch Neu-Ulm kann, sollte, muss sich bewegen. Und darf sich bewegen. Wenn hier welche auf Ideen kommen, müssen sie sich diese nicht verkneifen, weil der lokalpatriotische Ulmer das Zucken oder Mucken bekommt.

Hier mal meine Version eines „Leitbild Neu-Ulm“ (überarbeitete und umformulierte Fassung eines Arbeitsgruppenentwurfs):

Alle gesellschaftlichen Gruppen  der Innenstadt Neu-Ulm – Dienstleister, Ärzte, Einzelhändler, Grundstückseigentümer, Gastronomen, Künstler, aber auch interessierte Bürger – agieren gemeinschaftlich und prägen durch gemeinsames Agieren das Gesicht (Profil) der Stadt.

Dabei werden die Agierenden auf einfallsreiche, neue, Impulse gebende Aktionen setzen und damit zeigen: Neu-Ulms Innenstadt hat viel zu bieten, ist lebendig, bunt, tolerant, freundlich und unverwechselbar – ein Ort für gemeinsames Erleben.

Der Begriff „Innenstadt Neu-Ulm“ wird eher weit verstanden. „Zuwachs jeglicher Art von außen“ (Personen oder Geschäfte, Stichwort: Glacis-Galerie) wird als Gewinn verstanden, als ein Eröffnen neuer Möglichkeiten. Jeder, der will, kann mitwirken, niemand wird ausgeschlossen, etwa weil sein Standort nicht zum engsten Stadtkern gehört.

Ideen:

Zurückkommend auf den Spruch „Das Schönste an Neu-Ulm ist der Blick auf Ulm“ sag ich:

Diese Stärke Neu-Ulms sollten wir nutzen und werben: „Komm nach Neu-Ulm und guck Dir Ulm an“. Dazu bauen wir 20 Plattformen und -AussichtsTürme, an schönen Stellen, an der Donau und im „Hinterland“, mit Audio-Guides und Fernrohren, ansprechend gestaltet mit Sitzmöbeln und Blumen. Es könnte da die Aktion realisiert werden „Neu-Ulmer Ausguck“. Autorinnen und Autoren (nicht nur aber auch aus Neu-Ulm) könnte da lesen, Malerinnen und Maler ihre neuesten Werke vorstellen, FotokünstlerInnen Kurse geben, wie man Ulm aus der Perspektive ablichtet …

Auch ein Wettbewerb mit dem Motto „Ulm den Rücken kehren“ könnte viel(e) bewegen. Da sollte aufgerufen werden, Fotos, Videoclips, Audio-Slideshows zu produzieren, die – mit dem Rücken zu Ulm aufgenommen – mal Neu-Ulm in den Blickpunkt rücken.

Sicher wäre es nicht verkehrt. alle in Neu-Ulm aufzurufen, sich daran zu beteiligen, einen Slogan für Neu-Ulm zu finden. Gerade diese beiden Ideen (Fotowettbewerb und Slogan finden) sind Aktionen, die per web 2.0 forciert werden können.

Auch dass Ludwig II., der Märchenkönig, Neu-Ulm zur Stadt erhoben hat, verpflichtet doch. Folgerichtig müsste Neu-Ulm märchenhafter werden. Eine „Märchenstadt Neu-Ulm“ ist aufgrund des derzeitigen äußeren Erscheinungsbildes eher undenkbar. Daran muss gearbeitet werden. Man muss überlegen, was das Thema „Märchen“ beinhaltet und daraus Handlungsziele entwickeln, für Architektur und Stadtbild. Bevor Neu-Ulm von Ulm abgetrennt wurde, befanden sich rechts der Donau die Gärten der Ulmer. Zusammen mit den (wirklich herausragend guten) Gartenbetrieben auf Neu-Ulmer Gemarkung sowie den ebenfalls in Stadtkernnähe befindlichen Gartenfachmärkten könnte das Thema Grün in der Stadt zeitweilig oder auf Dauer größer gespielt werden. Das Glacis oder auch der Schwal und der übrige Bereich an der Kleinen Donau“ sind zusätzliche Ankerpunkte, plus Anreize fürs Gestalten innerstädtischer Innenhöfe, Plätze und „Vorgärten“.

Das AuGuSTheater Neu-Ulm hat vor etwa 15 Jahren die mit uns zusammen ehedem entwickelte Idee „Theater auf Krankenschein“ wieder aufgegriffen. Wir haben diese Idee, mit der wir bei den einschlägigen Ministerien nie ganz durchgedrungen waren, nie ganz aus den Augen verloren und immer an sie geglaubt. Jetzt gibt es in Düsseldorf „Theater auf Rezept“.

Wir würden gern anregen: einen „Neu-Ulmer Gesundheitsfond“. Da könnten Finanzmittel aus dem Bereich Prävention, Sponsoren-Zuwendungen, Bußgelder und städtische Unterstützung einfließen, die dann denen zugute kommen, die aus Eigenmitteln nicht am kulturellen Leben teilhaben können. Vor allem musische Angebote für Kinder und Jugendliche könnten hieraus gemacht werden.

Dass solche Ideen überregional Aufmerksamkeit erregen, sieht man zum Beispiel hier.

Ich ende jetzt mal hier und hoffe auf Kommentare und auf weitere Ideen.

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