Neu-Ulm feiert feste „Die Festung“


200 – das ist derzeit die magische geschichtliche Zahl in Ulm und in Neu-Ulm. Vor 200 Jahren verlor die Württemberg zugeschlagene Stadt Ulm ihre Gebiete rechts der Donau an Bayern, aus denen das heutige Neu-Ulm wurde. Deshalb rappelt’s zur Zeit in der Doppelstadt beiderseits der Donau – ein Jubiläumsfest jagt das andere. Und dazu kommen jede Menge weiterer events, so am kommenden Sonntag, 5. Juni: „Der Tag der Festung 2011“ .

Zumindest flächenmäßig ist „Der Tag der Festung“ in diesem Jahr die größte Veranstaltung in Ulm und Neu-Ulm. Die Bundesfestung Ulm erstreckte sich natürlich auch auf die ulmischen Gebiete, die heute Neu-Ulm sind. Napoleon war’s, der das bayerische Oberamt Ulm den Württembergern schenkte, weil sie ihn beim Rheinübergang und auf dem weiteren Zug gen Österreich nicht gehindert hatten. Nach der Schlacht bei Elchingen war’s dann Ulm, welches die krasse Folge zu tragen hatte: Wichtige Gebiete der Stadt rechts der Donau, die zum Grenzfluss wurde, blieben bei Bayern. Damit waren die sonntäglichen Ausflugsziele verloren genauso wie es schwierig war, zu den Arbeitsplätzen in den Flößerwerften, zur Schießhalle oder zu den Gärten zu kommen.

Vor 200 Jahren war das. Neu-Ulm feierte deshalb am vorletzten Wochenenden (21. – 23. Mai) ganz groß. Am vergangen Wochenende feierte Ulm dann „200 Jahre Friedrichsau“. Der Park wurde den UlmerInnen als Ersatz für die an Bayern verlorenen Gebiete geschenkt, vom württembergischen König Friedrich. Und als der in die Stadt kam, vor 200 Jahren, wollte auch der Flugpionier Albrecht Berblinger, heute berühmt als der „Schneider von Ulm“, seine Flugkünste zeigen. Manche behaupte, er sei nicht gescheitert, sondern habe den Flug abgebrochen und sei in die Donau geplumpst, weil er nicht nach Bayern wollte.

Es gab über die zwei Jahrhunderte tatsächlich viel Trennendes. Das ist heute noch zu spüren, obwohl die Stadt in Sachen Energieversorgung, Wasserwirtschaft, Verkehr, Infrastruktur-Planung, Touristik und manch anderem Gebiet zusammenarbeiten.

Eine „Klammer“ ist die sogenannte „Bundesfestung Ulm“, die fälschlicherweise so genannt wurde und wird. Denn: Sie wurde von 1842 bis 1859 gebaut, also 30 Jahre, nachdem es schon ein „Neu-Ulm“ gab (das allerdings 1869 erst zur Stadt erhoben wurde, durch keinen Geringeren als den „Märchenkönig“  Ludwig II. von Bayern. Und: Zwar wurden vom Deutschen Bund zwei Drittel auf württembergischer Seite realisiert, aber immerhin ein Drittel auf bayerischem, Neu-Ulmer Boden. Die heute vielfältig, unter anderem von Künstlern und Jugendorganisationen friedlich  genutzte Bundesfestung Ulm / Neu-Ulm zählt zu den (nicht wenigen) Superlativen, mit denen sich die Doppelstadt brüsten kann: Sie ist Deutschlands größtes, noch erhaltenes Festungsensemble.

So ist auch „Der Tag der Festung“ ein die Städte verbindendes Ereignis. Und Neu-Ulm spielt nicht nur mit: Die Festung bereichert Neu-Ulm in viel höherem Maße als die Schwesterstadt jenseits der Landesgrenze, weil die Relikte der Anlage angesichts der Größe der Stadt und der Nähe zur Innenstadt die Kommune viel mehr prägen. Stichwörter: Wasserturm (das Wahrzeichen Neu-Ulms), Glacis Carponnieren.

Dementsprechend gibt es ein ansprechendes Programm (Link zur Gesamtübersicht), sagen wir von der Reuttier Straße über die Caponniere 4 am Bahnhof Neu-Ulmer (wo es zum Beispiel eine Oldtimerschau gibt) und den den Glacis-Park bis hin zum Wasserturm, dem Wahrzeichen Neu-Ulms. Viele wissen es gar nicht: Der Wasserturm war / ist auch Teil der Festung. Dort, unter dem Turm, betreibt der Verein „Förderkreis Bundesfestung“ ein kleines Festungsmuseum, welches am Sonntag geöffnet. Ist – könnte ein gelungener Abschluss eines Spaziergangs durch den Glacis-Park sein.

Ein Hinweis: An der Reuttier Straße, beim Venet-Haus, findet sich das zur ehemaligen Bundesfestung Ulm gehörende Caponniere-Vorwerk, welches der Privatmann Werner Schneider (vom Büro Schneider Geiwitz & Partner) hat renovieren für und für hochkarätige Kunstausstellungen präparieren lassen. Wie der Presse zu entnehmen ist, plant Werner Schneider hinter seinem Nething-Bau und der von Bernd Gesericks BEGE Galerien Ulm/Neu-Ulm bespielten Bundesfestungs-Bastion einen für die Öffentlichkeit zugänglichen Skulpturenpark. Ein großartiger Anfang ist gemacht. Hier sollen Arbeiten bedeutender zeitgenössischer Künstler auf der Dachebene einer großen Garage platziert werden. Am Sonntag kann man sich einen ersten Eindruck verschaffen davon, wie hier alt (Festung) und modern (Nething-Bau / Kunstwerke) reizvoll kontrastieren.

Hier das Programm zu „Der Tag der Festung 2011“ am 5. Juni in Neu-Ulm:

Caponniere 4 Theodor-von-Hildebrandt-Platz,

Bahnhof Neu-Ulm

10 – 17 Infos und Führungen Förderkreis Bundesfestung
10 – 17 Installation „Schöne Aussichten“
A. Hauslaib, Stadt Neu-Ulm
10 – 17 Oldtimer-Nutzfahrzeuge + Getränke
Oldtimerclub Magirus IVECO
10 – 17 Oldtimer-Schau & Rundfahrten
Oldtimerfabrik Classic
10 – 17 Feuerwehroldtimer
10 – 17 Oldimer „Fernlastzug“
Caponniere 6 Glacis-Park, Neu-Ulm 11 Sonntagskonzert MV Steinheim & Sängerbund Steinheim
13, 14:30 und 16 Spaß mit SPONT ANELLO Kinder-Mitmach-Theater
Stadt Neu-Ulm
ab 10:30 Biergarten geöffnet
Barfüßer
Wasserturm Glacis-Park, Neu-Ulm 10 – 17 Museum und Führungen Förderkreis Bundesfestung

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