Kompensationsgeschäfte an der Haustür


In der bayerischen Stadt Neu-Ulm wird derzeit eine neue Theater-Spielstätte errichtet. Ein ehemalige Drogeriemarkt-Filiale im Erdgeschoss eines Wohn- und Geschäftshauses wird ab 21. September das  Domizil werden der kleinsten Profi-Bühne im Landesverband Bayern des Deutschen Bühnenvereins. Kostenpunkt des Projektes: gut eine Dreiviertelmillion.  450.000 Euro kostet der Erwerb, 350.000 der Umbau. Die Kommune bekommt damit ein Profi-Theater praktisch zum Nulltarif. Die Künstler werden alles selbst zahlen (müssen, wohl oder übel).

Während der Kauf wie üblich über Bankkredite abgewickelt wird, müssen die Kosten für den Umbau (Handwerkerrechnungen) zeitnah beglichen werden. Wie es derzeit aussieht, müssen die beiden in der „AuGuSTheater Neu-Ulm GbR“ paritätisch zusammenarbeitenden Theatermacher fast 100  Prozent der Umbau-Summe aus eigener Tasche aufbringen. Der Haupt- und Finanzausschuss des Neu-Ulmer Stadtrats hatte (wie die Theatermacher aus der Zeitung erfuhren – Darlehen für das AuGuSTheater) sich in seiner Sitzung am Mittwoch, 18. Juli 2012 zwar mit dem Papier der Theatermacher befasst, die ein Darlehen von 50.000 Euro und einen verlorenen Zuschuss von 50.000 Euro beantragt hatten, aber: Es wurde lediglich ein Darlehen von bis zu 75.000 mit niedrigem Zinssatz bewilligt.  Da der Betrag im Laufe von zehn Jahren zurückzuzahlen ist, bedeutet das praktisch auch: Der jährliche Zuschuss zum laufenden Theaterbetrieb wird um 7.500 Euro niedriger ausfallen.

Die Theatermacher Claudia Riese und Heinz Koch sind jetzt beschäftigt, die Finanzlücke zwischen dem aus Lebensversicherungen und Mini-Erbschaften bestehenden Eigenkapital und der Endsumme für den Umbau durch vermehrte Eigenleistung zu minimieren und per Kompensationsgeschäfte mit Firmen zu schließen. „Wir werden nicht auf  Spenden schielen, sondern erbringen Gegenleistungen auf künstlerischem Sektor“, sagt Heinz Koch. „Lieber spreche ich noch mal mit meiner Erbtante als  betteln zu gehen.“ So werden Firmen, die ganz bestimmte Pakete zahlen, die entsprechende künstlerische Kompensation („Ein Abend in Ihrer Firma“) einschließlich Werbeleistungen bekommen. Privatleute können sofort die lukrativen Geschenkkarten im Fünferpack erwerben. „und“, so Koch, „ich überlege, ob ich nicht kleinere Zuschüsse honoriere mit einem Kästner-Gedicht oder mit drei Vierzeilern von Heinz Erhardt. Im Wohnzimmer oder an der Haustür.“

Auf jeden Fall soll am 21. September 2012 der sprichwörtliche Vorhang im neuen Theater erstmals offiziell  hochgehen. Dazu ist als prominentester Gast bereits „engagiert“ die bayerische Staatsministerin Dr. Beate Merk. Außerdem hatten Hellmut Hattler und Siyou Isabel bei der Eröffnung des „Neu-Ulm PocketKlassiker-Festival“ im März spontan zugesagt, „ein Ständchen“ spielen zu wollen. Weitere Programmteile sind in Arbeit; so wird gerade mit dem Management von Bernd Kohlhepp geprüft, ob er den „Steinle PocketKlassiker Award“ im Zuge der Festivitäten entgegen nehmen kann.

Am Tag vorher kann ein inoffizieller Start in die neue Ära gebucht werden. Derzeit laufen Verhandlungen mit einem Medienpartner für einen Kunden-Event. Sollte das mit diesem Partner nicht realisiert werden können, wird die Option „Absolute Premiere im  neuen Theater“ für andere Interessenten freigegeben. Die da gebotenen Programminhalte werden mit demjenigen, der diesen event bucht, verabredet werden.

Mit dem neuen Theater wollen die Macher auch neue Inhalte probieren, zum Beispiel eine Reihe „Face-To-Face.Books“. Da werden einmal im Monat Autoren live lesen, welche „Riese & Ko“ übers Internet, speziell über facebook (und Twitter, Xing und so weiter) kennengelernt haben. Zunächst werden aber die „Männergespräche“ von Morten Feldmann (auch Autor von „Der perfekte Mann“) noch einmal aufgenommen. Und die erste Neuinszenierung im neuen Haus wird sein „Haus, Frauen, Sex“ von Margit Schreiner.  Wenn, ja wenn sich da ein Sponsor findet, wird dieses Stück auch einmal als Gastspiel mit dem bekannten Fernseh-Kriminaler Martin Lindow ( „Der Fahnder“, ‚Sigi Möller‘ in „Polizeiruf 110“) auf die frisch errichtete Bühne kommen. Könnte ja spannend sein. Der Vergleich. Aber auch sonst alles. So.

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