Macha oder nicht macha?


Frage: Was war am Samstag, 19. Mai 2012? Antwort: Der FC Bayern München verkimmelte im heimischen Stadion das  CL-Endspiel  gegen Chelsea. Und: Das Theater Neu-Ulm hatte ein auswärtiges Gastspiel bei den 30. Bayerischen Theatertagen in Augsburg. Die Festspielstätte TIM war mit fast 240 ZuschauerInnen fast ausverkauft. Fünf Plätze blieben frei bei „fast Faust“ von Albert Frank. War die erste große Überraschung, dass wir trotz der uns übermächtig  erscheinenden Fußball-„Konkurrenz“ praktisch ausverkauft waren (und dabei ein begeistertes Publikum und Anklang bei der Presse fanden),  wurden wir jetzt im Herbst nochmals mindestens ebenso sehr überrascht –  von einer Mail, welche uns in die Box flatterte. Hin- und hergerissen  vom Inhalt dieser Mail, stellten wir sie (auszugsweise) auf facebook ein, um zu schauen, was die Community sagen würde. Hier eine (nicht ganz vollständige) Dokumentation:

fast faustAugsburger Gymnasium: „ich bin Gymnasiallehrer am … und habe bei den Bayerischen Theatertagen in diesem Sommer Ihre Produktion ‚Fast Faust‘ mit großer Freude gesehen. Sie haben es geschafft, den Goethe-Text wirkungsvoll zu entstauben und sich auf seinen innersten Kern zu konzentrieren. Die Aufführung war sehr kurzweilig und attraktiv.
Sofort dachte ich mir damals: Das wäre etwas für eine Schulaufführung bei uns im Hause.
Wir sind ein staatliches Gymnasium … und führen junge Erwachsene in drei Jahren zum allgemeinen Abitur. Für die Jahrgangsstufe 11, die in diesem Herbst den ‚Faust‘ im Deutschunterricht liest und bespricht, würde ich ‚Fast Faust‘ gerne zu uns ins Haus holen ….
Ich hoffe sehr, dass wir ‚Fast Faust bald am [bei uns] erleben werden …“

Unsere Reaktion:  Alles wieder lernen, neuen Techniker einfuchsen, aus dem durch den Umzug durcheinander geratenen Fundus die Requisiten und Kostüme heraussuchen – Hätte es doch solche Resonanzen auf unsere Inszenierung auch aus den Schulen in unserer Region gegeben. Aber nicht eine einzige … Ich glaub schon allein deshalb sagen wir nehmen wir den riesigen Auwand auf uns und sagen morgen zu.  Ich berichte weiter …

Reaktionen aus der Community:

  1. „Ja, bitte sagen Sie zu!“
  2. „…ein grund, es nochmal schulen anzubieten! mit dieser referenz??“
  3. „macha!“

Mein Einwand: Wollt Ihr mich ans Schwitzen bringen? Das Stück liegt eine halbe Ewigkeit.

Postings aus der Community:

  1. „Schwitzen ist gesund“
  2. „ja und? manchmal brauchts dees, herr koch“

Soll ich oder soll ich nicht? Ich meine, die vom Lehrer auf eine Absage hin nachgeschobene Mail zitieren? Ich wage es mal, ich verschleier ja den Absender:

Augsburger Gymnasium: „Ich gäb was drum, wenn ich nur wüßt,
Wie Heinz Koch umzustimmen ist!
Er sah als Faust recht wacker aus,
Und ist aus einem edlen Haus;
Das konnt ich ihm an der Stirne lesen –
Er wär auch sonst nicht so toll gewesen.
Vielen Dank für Ihre Antwort!!
Ich verstehe Ihre Gründe für die Absage gut. Leider können wir tatsächlich kein Honorar in Aussicht stellen, das die Kosten für Ihren Proben-, Kostüm- und technischen Aufwand wieder einspielen würde. Wir können Ihnen lediglich Begeisterung für Ihre Arbeit entgegenbringen (und ein Honorar von ca. … EUR anbieten).
Nach Golde drängt,
am Golde hängt
doch alles?
Bei aller verschmähten Liebe! Beim höllischen Elemente!
Ich wollt, ich wüsste was Ärgers, dass ich’s fluchen könnte!“

Unser Kurzkommentar: Wonach klingt das?

Ein namhafter Kabarett-Kollege: „Ich würde es nicht machen, Heinz. Du hast Dich doch schon entschieden. Kraft sammeln – neue Dinge bewältigen !!!“

Eine Künstlerfreundin:  „Ich fände das genial! Für die jungen Erwachsenen und die Schule. Für dich ist es aber gerade das nicht: genial… Manchmal sollte man über seinen Schatten springen. Aber nicht dann, wenn einem vorher schon so viele Argumente einfallen, die alle die Quintessenz haben: Das tut mir nicht gut, das widerstrebt mir, das will ich nicht!“

Unsere Reaktion: Wir wissen (wieder), was wir an fb und unserer Community haben. Fakt ist aber: Die bleiben echt dran. Heute kam wieder eine Mail des Inhalts:

Augsburger Gymnasium: „Die heutige Fachsitzung Deutsch an unserer Schule hat ergeben, dass sich die Fachschaft und die Schulleitung gemeinsam darum bemühen wollen, das Gastspiel von ‚Fast Faust‘ auf andere … Gymnasien auszudehnen, zu denen wir Kontakte haben. D.h. Sie könnten, wenn wir erfolgreich sind, das Stück entweder an einem Termin vor einem größeren Publikum aus zwei oder drei Gymnasien spielen oder an zwei Terminen an einem Tag (vormittags / nachmittags) an zwei verschiedenen Orten (sofern dies für Sie in Frage kommt). …
Wir benötigen einige Tage Zeit, um uns mit den benachbarten Schulen zu besprechen und abzustimmen. Vielleicht könnten Sie mir bis Ende der Woche per Mail oder ….[Telefonnummer] signalisieren, ob Sie grundsätzlich zu einem Gastspiel  in … Anfang Dezember bereit wären.“

Unsere Reaktion: Können wir eigentlich noch nein sagen? Es steht derzeit 60 : 40. Ich suche morgen früh das Technikbuch … Und gucke nach der Kiste mit den Requisiten …

Eine Kollegin postete: „..so viel Mühen sollten doch belohnt werden.. man bekommt das doch 10fach zurück “

Augsburger Gymnasium: “ … müssen wir die Veranstaltung in ein benachbartes Gymnasium mit einem größeren Veranstaltungssaal verlegen, da unsere Aula nur max. 170 Personen fasst. Wir sind diesbezüglich in Verhandlungen mit dem …. Gymnasium und können Ihnen voraussichtlich am 26. oder 27. Oktober 2012 für den 5. Dezember 2012 zusagen.  Mit fröhlichen Grüßen…“

Unsere Reaktion: Nicht schlecht, Herr Specht. Mehr als 170.

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