Besser begreifen, um verändern zu können


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Kunst, Kultur – gehört mitten in die Stadt. Städte brauchen ansässige KünstlerInnen. In den 1970-er Jahren hat der Europarat eine Art Definition versucht, die noch heute recht brauchbar erscheint:

„Kultur ist alles, was dem Individuum erlaubt,
sich gegenüber der Welt, der Gesellschaft und
auch gegenüber dem heimatlichen
Erbe zurecht zu finden, alles, was dazu führt,
dassder Mensch seine Lage besser begreift, um
sie unter Umständen verändern zu können.“

Damit vereint der Europarat in diesem Kulturbegriff  Tradition, Bewältigung der Gegenwart und Emanzipation von ihr. Mit dem Ziel der Veränderung stärkt er den Möglichkeitssinn.

„Kunst ist kurzfristig: Sie präsentiert sich in
Ausstellungen, Performances und Projekten.
Zudem zielt Kunst ihrem Anspruch nach auf
Innovation und damit immerauf neue und nicht
zielgerichtete Veränderung. Kultur ist die
Wirkung von Kunst in der Gesellschaft. Wenn sie
nur Vertrautes variiert, stabilisiert sie
Wahrnehmungsgewohnheiten und damit die
gesellschaftliche Stellung derer, die diese
Gewohnheiten fürsich erworben haben. Sie wirkt d
ann affirmativ. Wo sie jedoch stört und verstört,
ist Veränderung von Gesellschaft ihr Thema.“
(Dr. Dieter Rossmeissl)

Ein vom Bundesbauministerium 2011 vorgelegtes »Weißbuch Innenstadt«  stellt fest:

„In den Stadtkernen zeigen sich das Profil und
die besondere Eigenart einer Stadt.“  Hier finden
Menschen das, was die meisten unter der „Identität“
einer Stadt verstehen: die urbane Dichte, die in
Bauten gegenwärtige Geschichte, die als typisch
empfundenen Performances der Menschen. „Innen-
städte mit ihren öffentlichen Räumen und Gebäuden
sind Orte für Kultur, Integration und Erlebnis. Sie
sind … damit gesellschaftlich unverzichtbar“, heißt
es in dem Weißbuch weiter.

Potenziale für die Stadt der Zukunft

1. Die Städte müssen den Kern ihrer Selbstverwal-
tung neu definieren. An die Stelle der klassischen
Daseinsvorsorge tritt die Ausgestaltung des frei
definierbaren Handlungsspielraums ins Zentrum
des Interesses und des finanziellen Mitteleinsat-
zes. Kultur, Bildung und Ökologie werden damit
zu Kernaufgaben städtischer Politik.

2. Wichtigster Standortfaktor der künftigen Stadt ist
ihre Lebensqualität, die durch soziale Sicherheit,
kulturelle Attraktivität und ökologische Qualität
geprägt ist. Die ökonomische Entwicklung hat
bereits Richard Florida als Folge der Kreativität
(und nicht als deren Ursache) identifiziert.

3. Städte müssen im globalen Kontext ihre lokale
Identität neu definieren. Dies geschieht über die
Kombination ihrer strukturellen und programmati-
schen Vielfalt. Dazu gehören die bauliche Struktur,
die durch Geschichte und Gegenwart geprägt wird,
die soziale Heterogenität und das kulturelle Programm
gleichermaßen. Diversität ist damit das gemeinsame
Leitbild der Städte und in ihrer jeweiligen Ausprägung
Zugleich ihr Identitätsprofil.

Weißbuch:

Gleichermaßen geht es für die Städte darum,
Kooperationen zwischen den wichtigen Be-
teiligten zu schmieden. Das sind neben dem
Einzelhandel und dessen Organisationen so-
wohl Politik und Verwaltung als auch bürger-
schaf tliche Organisationen, vor allem aber
die Immobilienbesitzerinnen und -besitzer.

Innenstadt als Ort von Kultur,
Baukultur und Stadtleben

Innenstädte und Ortskerne sind Orte für Identität, Kultur und Stadterleben. Die Stadtkerne mit ihren Plätzen, Kirchen und religiösen Einrichtungen, Denkmalen, Theatern und anderen öffentlichen Einrichtungen und Anziehungspunkten sind Orte der Identifikation für die Bürgerinnen und Bürger.

Gastronomie, Hotellerie und Freizeiteinrichtungen beleben die Innenstadt ebenso wie die Besuche-rinnen und Besucher von besonderen Ereignissen wie Sport-, Musik- und Kulturveranstaltungen.

Bürgerschaftlich organisierte Kultur- und Freizeitangebote erhalten neben den öffentlichen Angeboten wachsende Bedeutung. Zugleich wächst die Bedeutung der Kreativwirtschaft auch für die innere Stadt, denn Künstlerinnen und Künstler sowie andere kreative Gruppen produzieren und präsentieren vorzugsweise in innerstädtischen Lagen.

Die Bewahrung und Weiterentwicklung wertvoller Stadtbild- und imageprägende Substanz von Altbauten und Denkmalen in ihrem Raumgefüge und mit einer hohen städtebaulich-architektonischen Qualität ist die Voraussetzung für attraktive Innenstädte der Zukunft.

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