Chaos-Lesen im Theater Neu-Ulm, Ausgabe Oktober


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(Gastbeitrag von Corina Wagner) Wieder einmal fand das Chaoslesen im Theater Neu-Ulm statt, auch wurde wieder ein Gast eingeladen. Dieser Special Guest (AutorIn oder Promi) liest entweder aus eigenen Werken oder aus dem Lieblingsbuch vor. Robert Scheel war gestern Abend das sogenannte „Gästebuch“, das mit spannenden unter sehr interessanten Seiten aufwartete. Auf der Bühne lauerten wieder Bücher verschiedener Genres, die in Rubriken unterteilt sind. Über die vergangenen humorvollen Veranstaltungen berichtete ich bereits ausführlich. http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/chaoslesen-mit-musik-griesbad-galerie-ulm

http://zeitverdichtet.de/?p=19363

Wie immer bestimmte auch am gestrigen Abend das Publikum, aus welcher Sparte Heinz Koch vorlesen musste. Zuvor musste man aber wieder eine Melodie erraten, die Theaterchef Koch auf einer Spieluhr abspielte. Florian Arnold moderierte erneut das Chaoslesen und überzeugte das Publikum mit seinem „knochentrockenen“ Humor. „Zum Brüllen komisch“, so könnte man auch salopp die strenge Überwachung formulieren, die Florian Arnold tätigte, wenn Heinz Koch die Spiele durchführte. Beide liefen wieder zu Hochform auf, da blieb erneut “kein Auge trocken“. Beide harmonieren auf der Bühne, können super improvisieren. Das Buch Roman-Enden (500 letzte Sätze) von Autor Harald Beck sorgte für viel Spaß und trug im Laufe des Abends immer wieder aufs Neue zur Unterhaltung bei. Fortan wünschte sich das Publikum nach einer gelesenen Seite aus einem zuvor willkürlich ausgesuchten Buch, das auch dort jeweils die letzte Seite gelesen wird. Ob nun aus der Schmuddelecke (Sex & Crime) oder zum Beispiel dem Giftschrank (Politisches „Lesegedöns“) nichts wurde geschönt oder ausgelassen. Die letzte Seite wurde rezitiert und deshalb folgten witzige Kommentare, auch eine Menge Gelächter.

Das Gästebuch bot Gänsehaut vom Feinsten. Robert Scheel, Buchautor, Filmeliebhaber undundundund… Horrorspezialist im wahrsten Sinne des Wortes, denn er erzeugt nicht nur durch Worte Gänsehaut, sondern auch durch seine beeindruckenden Ausstellungen. In der Kultur Fahrschule in Ulm hinterließ Robert mit seinem „Kinderzimmer“ künstlerische, tiefgründige Spuren, die nichts für zarte Seelchen sind. http://kunstfahrschule.kulturfahrschule.de/2013/09/robert-scheel/

Robert kenne ich persönlich. Eine Frohnatur aus Berlin. Er gehört auch zu den Ulmer Gestalten. Neulich mussten wir uns bei einem Treffen vorstellen, da sagte er: „Ich kann alles, außer Musik!“ Da musste ich grinsen. Man muss wahrlich nicht alles können und das, was ich bislang von Robert schon gesehen, gehört oder von ihm gelesen habe, macht er richtig gut. Gestern hatte er zum Beispiel auch seinen Debüt-Roman Winterschlaf dabei, der bereits 2009 bei Periplaneta erschien. Alle 12 Illustrationen, so auch die Buchcover-Gestaltung sind von ihm. Zu dieser Zeit lebte er noch in Kaiserslautern. Eine Pressestimme dazu: „Winterschlaf ist ein spannendes, eisiges Fantasy-Märchen ohne Drachen und Zwerge, dafür mit Pinguinen, Krakenmonstern und vielen Filmzitaten. Vom Autor liebevoll illustriert, bietet Winterschlaf schaurige, mitreißende Unterhaltung.“

http://www.amazon.de/Winterschlaf-Geheimnis-einer-roten-Tr%C3%A4ne/dp/3940767182/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1382086271&sr=1-1

In Funktion des Gästebuchs gewährte Autor Robert Scheel Einblicke in seine Biografie, so ist er z.B. auch gelernter Buchhändler, war aber auch schon Mitbesitzer des Literaturcafés „Café 23“ in Kaiserslautern, das damals nicht nur Kaffee oder exotische Tees, sondern auch u.a. Horrorliteratur und DVD-Abende anbot.

Robert las zwei Kurzgeschichten vor, die so schaurig schön beeindruckend sind, quasi auch mit einem Hauch Ironie, so dass sie vermutlich nicht nur bei mir Gänsehaut verursachten. Und deswegen verständlicherweise auch mit viel Applaus belohnt wurden. Wow! „Einzigartig“ und  „Erdbeerfelder und Vegetarier“, so lauten die Titel der Kurzgeschichten.

http://www.theater-neu-ulm.de/cmsroot/archiv-stuecke/wundertuete-do-im-theater/

Beim nächsten Chaoslesen wird übrigens Autor Martin Gehring als Gästebuch dabei sein. Sein neues Buch „Notizen aus dem Oberstübchen“ wurde witzigerweise aus der Rubrik „Heimspiel“ ausgewählt. Heinz Koch weigerte sich spontan die gewählte Seite 99 vorzulesen, so musste der Autor selbst lesen. Er saß als Veranstaltungsbesucher im Theater. Das Publikum amüsierte sich köstlich, lag wohl auch an der Wortwahl jener Seite “Als ob man Quark hören könnte.“ 🙂

Das Chaoslesen im Theater Neu-Ulm ist übrigens die neue Geheimwaffe gegen Winterdepressionen. Ich empfehle heute schon die nächste Veranstaltung am 14. November. Aber Vorsicht: Chaoslesen mit Heinz Koch und Florian Arnold kann süchtig machen!

©Corina Wagner, 18. Oktober 2013 in ihrem blog „Wagners Randnotiz“, auf dem Portal von „Der Freitag“, http://www.freitag.de/autoren/corina-wagner/chaoslesen-im-theater-neu-ulm

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