„Eh ich’s vergesse … “ Memoiren eines Nobody (Fragmente 08)


woehlund1Heute Nacht (zum 15. August 2014) kam ich drauf, schoss es mir ein; ich erinnerte mich meiner frühen Jahre, meiner damaligen philosophischen Anwandlungen und „Zwillingsforschung“ (genauerer Untersuchungen zwei deutscher Staaten) und schlug mich dann diese Nacht heftig mit dem Weltgeist herum. Was dabei herauskam, gieße ich nun hier in Form.

„Frieden ist im heutigen Sprachgebrauch der allgemeine Zustand zwischen Menschen, sozialen Gruppen oder Staaten, in dem bestehende Konflikte in rechtlich festgelegten Normen ohne Gewalt ausgetragen werden. Der Begriff bezeichnet einen Zustand in der Beziehung zwischen Völkern und Staaten, der den Krieg zur Durchsetzung von Politik ausschließt.“ So definiert (die von mir wegen der mannigfachen Manipulations-Möglichkeiten und –Gefahren immerwährend eher mit kritischen Augen betrachtete) Internet-Enzyklopädie Wikipedia „Frieden„.

In der UDSSR galt eine ganz andere Definition. Da war der Marxismus-Leninismus offizielle Staats-Ideologie. Danach war Frieden uberhaupt nur in einer klassenlosen Gesellschaft möglich. Krieg war die Folge der Klassengegensätze im Kapitalismus. Wer für Frieden war oder für Frieden kämpfen wollte, musste für die Abschaffung der Klassengesellschaft sein und kämpfen, musste letztlich für Kommunismus sein und kämpfen. Jeder kommunistische Soldat war per se ein Friedenssoldat.

Russland ist zwar Nachfolger der UDSSR. In der Verfassung Russlands ist festgelegt:

Artikel 13

  1. In der Rußländischen Föderation ist die ideologische Vielfalt anerkannt.
  2. Keine Ideologie darf als staatliche oder verbindliche festgelegt werden.

Artikel 14

  1. Die Rußländische Föderation ist ein weltlicher Staat. Keine Religion darf als staatliche oder verbindlich festgelegt werden.
  2. Die religiösen Vereinigungen sind vom Staat getrennt und vor dem Gesetz gleich.

Dennoch sei die Frage erlaubt: Inwieweit ist das, was jede(r) in der UDSSR gelernt und zu vertreten hatte, in den Köpfen ausgeschaltet? Welche Chance haben Menschen, die bis – sagen wir 1989 – extrem mit der Weltanschauung des Marxismus-Leninismus indoktriniert waren, heute die Welt anders anzuschauen.

Wenn nicht mehr das Abschaffen der „Herrschaft über den Menschen durch Menschen“ sowie der „Ausbeutung des Menschen durch Menschen“ das Ziel ist, was ist dann (Lebens-) Ziel? Wie wird denn dann die Welt erklärt? Wie ist die Welt dann anzuschauen? Früher waren die Oberkapitalisten (die herrschende Klasse im Kapitalismus) die Kriegstreiber – sind sie nun „abgelöst“? Durch wen oder was? Ist der der Charakter der in Klassen geteilten Gesellschaft, ist der Kapitalismus weiterhin Ursache von Kriegen?

Wer hat heute das Kapital? Gibt es auch Kapitalisten in Russland? Ist Putin Kapitalist? Oder ist er eine Kirchenmaus? Muss Kapitalismus überall in der Welt weiter bekämpft werden? Ist Frieden erst in einer (gerechten) Welt möglich, in der alles Privateigentum (nicht nur das an den Produktionsmitteln) abgeschafft ist?

Hegel war davon ausgegangen, der Prozess der Geschichte laufe auf ein vom „Weltgeist“ vorprogrammiertes („höheres“) Ziel hinaus; dabei seien die Menschen nur Objekte („Spielbälle“). Marx wollte ja Hegel vom Kopf auf die Füße gestellt haben. Der Mensch sollte (handelndes) Subjekt sein in diesem geschichtlichen Prozess, der (im Sinne des dialektischen und historischen Materialismus) automatisch auf eine kommunistische Gesellschaft hinauslaufen werde.

Im Marxismus-Leninismus nahm dabei die Partei („hat immer recht“) eine absolut zentrale, ja: die in der Verfassung festgelegte führende Rolle ein: Die Partei „wusste“ um die Gesetzmäßigkeiten der Geschichte und war deshalb befugt und befähigt, dem Rad der Geschichte in die Speichen zu greifen und den Gang der Geschichte zu beschleunigen.

Alles zu kompliziert? In Wirklichkeit natürlich noch viel komplizierter. Und doch Staatsräson. (Nicht nur) wer Karriere machen wollte, musste den ganzen theoretischen Überbau beherrschen und musste Glauben machen, dass er daran glaubte. Jahrzehnte lang.

Und dann kam dieser G.

Auf einmal galt das alles nicht mehr?! Oder nur noch ein bisschen davon? Und was galt denn also noch und was nicht? Woran musste man jetzt glauben? Wer trat an die Stelle der immer rechthabenden Partei? War es ein rechthaberischer Präsident? Konnte die Duma tatsächlich die Kompetenz in Sachen „geschichtlicher Prozess“ vom Politbüro übernehmen? In der untergegangenen DDR zum Beispiel war zu fragen: Gelten „Die zehn Gebote der sozialistischen Moral“ noch?

Also: Was gilt überhaupt noch?

Wofür steht Russland?

Wer hat da das Sagen und – hätte auch überhaupt was zu sagen?

Kann, wer seine Spielchen spielt, angesichts dieser absoluten Umbruch- und Übergangssituation alles nur Erdenkliche treiben? Eine „bürgerliche“ Gesellschaft gibt es (noch) nicht.

Die Revolution frisst weiter ihre Kinder …

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