„Eh ich’s vergesse …“ Memoiren eines Nobody (Fragmente 10)


olymp

Als Autor faszinieren mich gute Geschichten anderer Autoren. Das Dumme ist: Wenn ich denke, mir sei etwas Neues eingefallen, liege ich praktisch immer falsch. Es ist so, als hätten meine Themen in der Luft gelegen und andere seien aber schneller gewesen. Nun aber hatte ich einen – wie ich finde – einmaligen Traum.

In diesem Traum ging ich davon aus, ich sei als Konstantinidis vor rund 2200 Jahren mit meinen altgriechischen Sandaletten (outdoor-Stiefel gab’s damals noch nicht) auf den Olymp gestiegen, um nach Zeus und Hera und deren ganzer Sippschaft zu schauen. Ich komm da oben auf dem Olymp (höchster Berg in Griechenland, Sitz der griechischen Götter) an und stell fest: Da ist absolut niemand. Sensationell – oder? In meinem Traum wusste ich aber, ein gewisser Sokrates war unlängst zum Tode verurteilt worden, weil er öffentlich ausposaut hatte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Wieviel gefährlicher wäre es also zu sagen, ich wüsste was. Und dann auch noch über Zeus und seine Mischpoke. Nämlich: Die gibt es gar nicht. Ich hielt die Schnauze.

In meinem Traum wurde ich damals eingefroren und vor wenigen Tagen wieder aufgetaut, um auf einem Facebook-Meeting meine für die Griechen sensationelle Entdeckung der heutigen Netzgemeinde mitzuteilen. Es gab Staaten, die, als sie Wind von meiner Mission bekamen, alles in ihrer Macht Stehende taten, um ihrer Bevölkerung den Schock, den ich den Menschen vermutlich versetzen würde, zu ersparen. Ich sollte erst einmal ein Exposé einreichen, damit die Behörden prüfen könnten, wie gefährlich mein Wissen werden könnte. Das Exposé poste ich mal hier für einen kleinen Kreis. Mein einziges Dilemma: Ich weiß nicht, ob ich immer noch im Traum stecke oder ob ich wach bin.

Alle die, welche anderen glauben, dass die an Got glauben, sollten sich mal vorstellen, es würde den Gotesgläubigen bewiesen, dass es DEN Got, an den sie glauben, gar nicht gibt. Schon ein solcher Gedanke ist Gotesanbeter_Innen verboten. Weil ihre ganze Welt und deren Anschauung zusammenbrechen würde.

Und jetzt stellt Euch jemanden vor, der üüüberhaupt nichts Jenseitiges für existent hält, nur Diesseitiges und dabei eine absolut materialistische Weltanschauung hat, die seiner Meinung nach auch noch wissenschaftlich, ja, die einzige wissenschaftliche Weltanschauung  ist, auf deren Grundlage nicht nur sein privates Leben, sondern auch sein öffentliches Leben (und womöglich seine Macht) basiert. Und jetzt stellt Euch vor, die Paradigmen und die Dogmen dieser von ihm als wissenschaftlich angesehenen und propagierten Weltanschauung würden widerlegt. Auch seine Welt und deren Anschauung würden sozusammenbrechen wie die des Gotesanbeters, dem Got abhanden kommt.

Setzt für Got einfach mal Zeus oder Jupiter oder Manitu oder Thor oder andere Synonyme. Ihr würdet lächeln, weil bei diesen altertümlichen Herren, das weiß man, handelt es sich um Mythen-Figuren. Und die dürfen belächelt werden. Wenn Got aber zum Beispiel als Anna gesehen würde, wären ganz bestimmte Kreise äußerst sauer. Got – eine Frau? Geht ja gar nicht. Wie Mammon nicht geht und andere Konstrukte, die heute so im Schwange sind, darunter auch ganz weltliche, die Palästen olympionisieren, die schon mal 280 Millionen kosten dürfen. 

Nachschlag: 

»Als nun aber der zwölfte Morgen gekommen, schritten zurück zum Olymp die ewig währenden Götter, alle mit Zeus an der Spitze. Nicht hatte die Wünsche des Sohnes Thetis vergessen, sie tauchte empor aus der Woge des Meeres, stieg in der nebeligen Frühe zum hohen Olympos und Himmel, und auf dem obersten Scheitel des zackengeschmückten Olympos fand den Kroniden sie sitzen, weitblickend und fern von den anderen.«

Homer, Ilias, 493-499

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