Eine Konzeption? Hatten wir immer!


kunst-warum

„Neu-Ulm braucht langfristig ein Theater!“ Das scheint nach der Sitzung des Stadtratsausschusses Bildung, Familie, Kultur (BiFaKu) Oktober 2016 klar zu sein. Jedenfalls war das die Aussage aller Fraktionen. Wir, das Theatermacher-Duo „Riese & Ko“, hatten ja Anfang 2014 die Alternative skizziert „Braucht Neu-Ulm langfristig ein Theater? Oder braucht Neu-Ulm langfristig kein Theater? Kann Neu-Ulm sich langfristig kein Theater leisten?“ Das hatten wir im Grunde als rhetorische Frage verstanden wissen wollen – sind wir doch der Ansicht: Eine Stadt wie Neu-Ulm braucht langfristig ein Theater. Aber wir hatten die Alternativen nicht nur zum Schein aufgeführt. Wäre die Antwort des Stadtrates dahingehend ausgefallen, dass Neu-Ulm langfristig kein Theater braucht oder sich kein Theater leisten kann, hätten wir – zwar mit mehr als einer Träne im Knopfloch, aber verständnislos nickend – unser Theater binnen drei Jahren abgewickelt und als Duo „Riese & Ko“ ohne feste Spielstätte überall gespielt, inszeniert  sowie unkonventionelle Ideen geboren und realisiert, wo man uns hätte haben wollen.

scheideweg

Jetzt hieß es allenthalben: „Glückwunsch! Nun habt Ihr ja mehr Geld.“ Ihr? Riese & Koch? Nein. Aber: Das Theater Neu-Ulm hat jetzt ein ganz klein wenig mehr finanziellen Spielraum. Wie all‘ die Jahre vorher wird nämlich wieder re-investiert. Vor allem in Personal. Im Grunde allerdings wurde „nur“ den gestiegenen Kosten Rechnung getragen, denn: „Stillstand ist letztlich Rückschritt“. Und wir waren uns bewusst, dass wir ohne Dynamisieren des Budgets nicht nur zunehmend auf der Stelle treten, sondern im Stile der Echternacher Springprozession agieren würden.

Natürlich kam im Ausschuss Bildung, Familie, Kultur, der unserer Ansicht nach von Bürgermeister Albert Obert souverän moderiert wurde, unter anderem nochmals die Frage nach einer „Konzeption“ auf. Dabei blieb und bleibt nebulös, was mit „Konzeption“ gemeint ist. Geht es den einen um die Struktur, meinen die anderen eine inhaltliche Umorientierung. Was die Struktur angeht, ließe sich eine ganze Menge anders machen. Das würde allerdings erhebliche Summen kosten. Das kann man herauslesen aus dem Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ aus dem Dezember des Jahres 2007, wo es zum Thema freie Theater unter anderem heißt:

„Es entsteht der Eindruck, dass die Leistungen des Freien Theaters bislang in deutlichem Missverhältnis zur Wahrnehmung, Anerkennung und Förderung durch alle politischen Ebenen stehen …“

Und:

„Freie Theater finanzieren ihre Arbeit zu einem großen Teil über ‚Eigenmittel‘. Dazu zählen Sachleistungen jeglicher Art wie Arbeitszeit, Räume und Grundausstattung. Freie Theaterkünstler übernehmen oft mehrere Theaterfunktionen in Personalunion. Grund dafür sind auch die zumeist nicht ausreichende Grundfinanzierung der laufenden organisatorischen Theaterarbeit wie Mittel- und Auftragsakquisition sowie Buchhaltung und Finanzwesen. Deshalb mangelt es im organisatorischen Bereich dem Freien Theater oft an  Know-how und qualifiziertem Personal. Doch selbst mit dem Einsatz dieser ‚unbezahlten Arbeit‘ und den begrenzten Einnahmen wie Eintritt lässt sich die Finanzierungslücke Freier Theaterarbeit nicht schließen.“

All‘ das trifft die Situation des Theater Neu-Ulm exakt. Bei der Frage nach einer Konzeption können wir kompetent mitreden. Eine Konzeption haben wir. Seit 25 Jahren. Große Teile dieser Konzeption haben wir mit bravourösen Ergebnissen all‘ die Jahre mit einem lächerlichen Budget realisiert, immer nach dem Motto: „Lasst uns ein Wunder sein, ein wunderbares Wunder sein!“  Und: Wir hatten die Kurzfassung einer Konzeption und einen langfristigen Entwicklungsplan vorgelegt. War aber noch nicht hinreichend.

Einer Stadträtin (oder deren Grünen-Fraktion?) fehlen konkrete Aussagen, vieles sei im Konjunktiv formuliert, sie wolle lieber das fertige Konzept abwarten. Nicht klar scheint zu sein, dass ein Konzept nur erstellt werden kann, wenn die Rahmenbedingungen bekannt sind. Deswegen doch der „Konjunktiv“. Bis jetzt konnte man doch nur mit „hätte“, „könnte“, „sollte“ arbeiten. Mit dem jetzt gefällten Beschluss lassen sich erste konkrete Schritte gehen, mit denen sich die bisherige, aus unserer Sicht keinesfalls nur verhältnismäßig  gute, sondern (vielmehr auch und gerade im Vergleich mit ähnlichen Theatern betrachtet) absolut gute Konzeption weiterentwickeln lässt.

Und so, wie uns die bisherige Theatermacherei so schnell keiner weit und breit nachmachen kann, so wird sicher auch so schnell keiner gefunden, der es besser als wir versteht, die „Konzeption Darstellende Kunst in und für Neu-Ulm“ theoretisch zu entwerfen und praktisch zu realisieren. Wenn wir mit der Verwaltung weiterhin so gut kooperieren wie in den letzten beiden Jahren, kommt da was Brauchbares raus – da sind wir sicher.

Ein wesentlicher Baustein wurde nun vom Stadtrats-Ausschuss beigetragen: das klare Bekenntnis aller Fraktionen, ob sie nun für die dreijährige Planungssicherheit stimmten oder nur für ein Jahr votierten:

„Wir wollen in der Doppelstadt ein eigenständiges Neu-Ulmer Theater.“

Hurra! Hurra! Hurra!

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