„Gutes“ Theater wollen alle, aber?


Die meisten Theaterbesucher*innen meinen, wenn sie sagen, sie hätten „gutes Theater“ gesehen: „Es hat mir gefallen.“ Es hatte ihren Nerv getroffen, ihren Geschmack. Das Bühnengeschehen hatte sie angesprochen, das Gesehene sie irgendwie interessierte. Selbst die durchschnittlichen Rezensent*innen schreiben sogenannte Kritiken, indem sie unvoreingenommen (d.h.: ohne irgendwelche Vorkenntnisse) den Abend im Grunde nicht anders „mitnehmen“ wie jede(r) durchschnittliche Besucher(in). Ob das, was da an darstellender Kunst auf der Bühne lief, „gut“ war – ist auch ganz schwer zu sagen.

Das ist bei bildender Kunst ein wenig einfacher. Hier kann man jedes Bild wieder und wieder anschauen und (sich) entscheiden, ob man auf die Frage „Ist das Kunst?“ mit „Ja“ oder „Nein§ antwortet. Man kann auch urteilen, ob es „gute Kunst“ ist oder nicht. Man kann auch jemand anderen einladen, die Werke mitzubetrachten und kann dann drüber diskutieren, Kriterien benennen, argumentieren, herleiten, vergleichen und sich dann festlegen. Zum Beispiel in Bezug auf die Frage: „Wird das die Zeiten überdauern?“ Man kann sogar sagen: „Das da ist gute Kunst, aber es gefällt mir nicht.“ Aber das alles geht hinaus über die FRrage, ob man möglicherweise Geld für das eine oder andere Werk ausgibt, ob man es an die eigene Wand hängt oder bei sich aufstellt. Machen Sie doch hier mal in diesem Sinne die Probe aufs Exempel.

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Na? Wie viele Bilder sind „Kunst“, „gute Kunst“ und wie viele sind es nicht?

Ein Theaterstück ist flüchtig. Die Aufzeichnung eines Stückes verändert immer schon  einschneidend. Die Konserve sagt so gut wie nix. Schön – sie konserviert einen Eindruck, verändert durch den Beobachter (Hersteller der Konserve). Was also können wir vermitteln, wenn wir sagen: „Ich habe gutes Theater gesehen?“ Oder wenn wir sagen: „Ich habe noch nie so schlechtes Theater gesehen?“ Wenn zu mir jemand den einen oder anderen Satz sagt, frage ich immer: „Wie viel Theater hast Du üüüberhaupt gesehen?“

Unser Sportlehrer früher hat immer gesagt: „Schwimmen lernt man nur durch schwimmen.“ Ich habe manche Stücke über 50 mal gesehen, manchmal dieselbe Produktion 50 und mehrere Male und das Stück dann noch ein  paar mal woanders. Selbst bei den Stücken, die ich im selben Theater immer in derselben Besetzung gesehen habe, habe ich „gutes“ und „schlechtes“ Theater gesehen. Das Stück war jedesmal dasselbe. Zum Beispiel „Die Unterrichtsstunde“ von Eugene Ionesco. Zum Beispiel auch „Männerhort“ von Kristof Magnusson oder auch „Die 39 Stufen“ von John Buchan & Alfred Hitchcock / Patrick Barlow oder „Busenfreundinnen“ von Peter Blaikner (das sogar mit zwei verschiedenen Besetzungen) oder „Der Abstecher“ von Martin Walser oder oder oder.

In keinem Falle wäre aus meiner Sicht was gegen das jeweilige Stück zu sagen – obwohl es natürlich auch miese Textvorlagen gibt. Wenn man in meinem Sinne „Gutes Theater“ machen will (mein „Wildly Important Goal“), ist der erste Hebel dazu die gute Stückauswahl. Aber wie wähle ich aus? Nach welchen Kriterien? Wioe ist die Ausrichtung der eigenen Bühne? Mach ich, was ich will? Wie beeinflusst meine langjährige Erfahrung mit Publikum meine Auswahl? Wie reagiere ich auf die Wünsche (kommulaler) Geldgeber? Oder ganz einfach gefragt: Welche „Wie“-Wörter beschreiben die Idee meines Theaters? Politisch? Ernsthaft? Ambitioniert? Komödiantisch? Avantgardistisch? Zeitgenössisch? Werktreu? Surreal? Esoterisch? Absurd? Futuristisch? Klassisch? Literarisch? Kabarettistisch? Ergänze ad libitum.

Die Facetten hätte man mehr oder minder „drauf“. Man ist ja nicht einseitig ausgebildet, ist auch nicht auf ein Rollenbild festgelegt, wie das im Film oder bei TV-Akteuren oft der Fall ist. Und man muss sich ja auch nicht zwangsläufig selbst in jeder Produktion besetzen. Aber: Beim Theater-Machen drängt sich im Zusammenhang mit dem Überlegen, welche Art Theater man machen will, immer wieder auch die Frage auf: Bleibe ich bei einer Linie? Oder wechsle ich die Genres? Mal Komödie, mal Tragödie, mal Krimi und mal Sing-Spiel? Und: Spielt das Publikum bei allzu großen Richtungsänderungen mit?

An der Stelle mache ich mal eine Pause. Fortsetzung folgt in jedem Falle, gestützt auf einige   hier publizierte Ansätze.

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