Für den Kulturbericht der Stadt Neu-Ulm


Kapitel “Theater und darstellende Kunst”

Vorherrschendes Ereignis im Kulturbericht für das Theater Neu-Ulm: der Verlust der Spielstätte „Konzertsaal“ im Frühjahr 2012 und das Einrichten der neuen Spielstätte am Theaterplatz Hermann-Köhl-Straße 3 im September 2012. Dabei gingen wir zum einen ersatzlos verlustig der 300.000 Euro. Die wir in den Konzertsaal investiert hatten. Zum anderen mussten wir 700.000 Euro neu investieren. Unglaubliche Summen. Für zwei Privatleute!

In den zehn Jahren des Berichtzeitraumes hat das Theater Neu-Ulm immer pro Spielzeit mindestens vier Stücke neu inszeniert. In jeder Spielzeit gab es mindestens 100 Aufführungen dieser Produktionen. Darüber hinaus w3urden weitere Vorstellungen mit tagesaktuellen Themen gegeben. Alles auch im Jahr des Spielstätten-Wechsels.

Ein besonderer Wermutstropfen. In den zehn Jahren haben wir den Verlust unserer sommerlichen Freiluft-Spielmöglichkeit zu beklagen.Und nach wie vor bleibt: Durch die (ohne Kompensation unverzichtbare) Subventionierung durch den Freistaat Bayern sind Flexibilität und Kooperationsmöglichkeiten bezüglich des Spielplans (beinahe unzumutbar) beschnitten.Ein Journalist hat dem Theater ins Stammbuch geschrieben:

„Neu-Ulms einzig{artig}es Profi-Theater ist zwar nicht der Nabel der Theater-Welt, aber stets am Puls der Zeit. Viel Theater-Blut wird nicht vergossen auf der Bühne des intimen Zimmertheaters, aber die Schauspiel-Profis dort, Claudia Riese und Heinz Koch, machen mit jeder Menge Herzblut ihr Theater-Ding. Fern jedweder Allüren verschanzen sich ‚Riese & Ko‘ weder im Elfenbeinturm der Hochkultur, noch werfen sie programmatisch mit der Wurst nach der Speckseite. Sie überzeugen mit einer Melange aus einem niveauvollen Angebot, künstlerischen Ambition und absolutem Herz fürs Publikum. Auf der Neu-Ulmer Bühne hat (fast) alles Platz – nur Banalität und Langeweile sind tabu.“

Den Preis für die beste Performance beim „1. Neu-Ulmer PocketKlassiker-Festival“ errang Bernd Kohlhepp (2. V. links) für sein Solo „Die Räuber oder so“. Den „Steinle PocketKlassiker Award“ hatte geschaffen der Neu-Ulmer Künstler Felix Burgel (rechts).

Künstlerisch als Höhepunkt und administrativ größte Herausforderung der zehn Jahre kann gesehen werden: das „1. Neu-Ulmer PocketKlassiker-Festival“, welches leider auch das Letzte geblieben ist. Die Idee:Große Werke werden von kleinen Ensembles einem breiten Publikum nahegebracht.Grundlage dieser Idee (aus unserer Pressemappe):

„Allenthalben leiden Stadtsäckel an Schwindsucht, ganze Nationen drohen Pleite zu gehen, da könnte man meinen: Auch die Theater müssten das Menetekel an der Wand zur Kenntnis nehmen. Stücke mit 57 Schauspielern für 57 Rollen? Nicht mehr zeitgemäß! ‚Faust‘? Kann einer allein spielen. In fünf Minuten. Offenbachs ‚Orpheus in der Unterwelt‘? Ein Akteur und ein Musiker reichen …Die Zeit ist reif für solche ‚Klassiker im Taschenformat‘. Ausgerechnet – oder vielmehr: bezeichnender Weise – das kleinste bayerische Profi-Theater im Deutschen Bühnenverein, das in der Innovationsregion (!) Neu-Ulm ansässige ‚Außergewöhnliches Goethe und Schiller Theater‘ (nomen est omen), spielt nicht nur selbst Pocket-Klassiker, sondern plant für den kommenden Frühling ein absolutes novum, nämlich das ‚1. Neu-Ulm PocketKlassiker-Festival‘. Es soll acht Aufführungen solcher Pocket-Klassiker geben, ein Eröffnungsfest und eine Abschluss-Gala“.

Diese Idee wurde komplett so umgesetzt. Im kalkulierten Finanzrahmen.Eine große Zahl der mehr als 1000 Vorstellungen im Berichtszeitraum waren getragen von dem Gedanken, Publikum zu gewinnen. Der Auszug aus dem Konzertsaal markierte eine deutliche mehrere Jahre anhaltende Delle im Zuschauer-Zuspruch. Viele konnten sich Theater in einem ehemaligen Schleckerladen nicht vorstellen.

Publikumsrenner waren selbst geschriebene Produktionen wie „Das Klassentreffen“ (auf dem Foto: Claudia Riese in ihren fünf Rollen im „Klassentreffen“) , „Best of Riese & Ko“ (zum 20jährigen) oder „Drei Männer im Boot“, aber auch Stücke anderer Autoren wie „Männerhort“, „Fast Faust“ oder „Honig im Kopf“ (Foto unten).

Mit dem selbst verfassten Stück „Helden auf dem Abstellgleis“ konnte das Theater Neu-Ulm bei den 29. Bayerische Theatertage (24. Mai bis 11. Juni 2011 in Bamberg) den Sonderpreis der Fachjury erringen.

Nach dem sehr erfolgreichen Klassenzimmerstück „Klamms Krieg“ hat das Theater Neu-Ulm in dieser Dekade eine entsprechende Produktion herausgebracht mit: „Miriam ganz in schwarz“. Das Stück wurde nicht nur im Theater, sondern eben auch in etlichen Schulen der Umgebung gezeigt; außerdem wurde es in eine Schule nach Mülheim / Ruhr eingeladen

„Miriam ganz in schwarz“ ist alles andere als eine Komödie. Ähnlich anspruchsvolle Stücke: „Vagina Monologe“, „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“, „Die Unterrichtsstunde“, „Enthüllungen aus dem Kellerloch“ oder jüngst „Konstellationen“.

Da hatten wir ebensowenig einen Kassensturm erwartet wie bei so absolut innovativen Theaterformen wie „Chaos-Lesen“ (die Bühne dazu siehe Foto oben), „Literattischer Salon – Musenkuss-Orgie mit Raubdichtern“ (eine Ausgabe auf dem Foto unten) oder beim Abend im „Gedenken an die Bücherverbrennung“ oder zum „Welttag der Poesie“. Oder bei unserer Reihe Wundertüte donnerstags im Theater“.

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