Dysfunktionale politische Zustände


Heute, 9. Januar 2014, liest man (auf Seie 4) in der Süddeutschen ein PROFIL – Robert Gates US-Verteidigungsminister a.D. sei „Auf Rachefeldzug“, wie der Autor Nicolas Richter das Profil überschreibt. Es geht um das  gerade erschienene Buch des Robert Gates mit dem Titel „Duty“. Da rappelt’s tatsächlich.Richter schreibt unter anderem:

„… teilt großzügig aus.Das Parlament ist demnachein Hort unfähiger Egoisten, Präsident Obama führungsschwach, Vize Joe Biden ein eitler Schwätzer und die frühere Außenministerin Hillary Clinton eine Opportunistin.“

Uno momento, da muss ich doch eine Passage aus dem gerade gelesenen Buch „Die Berechnung der Zukunft“ von Nate Silver suchen. Richtig, da ist es, auf Seite 500:
„In der Politik herrscht Gnadenlosigkeit. Wahres oder Unpassendes auszusprechen, gilt als Fauxpas. Politiker müssen mit gleichbleibender Überzeugung der Parteilinie gemäß wirtschaftliche, soziale und außenpoltische Auffassungen vertreten, die wenig miteinander zu tun haben. Sowohl Demokraten als auch Republikaner handeln gemäß einem sehr einfachten Weltbild.“ Silver spricht wenig später von „dysfunktionalen politischen Zuständen in den USA“, die „Anlass zu einem pessimistischen Blick in die Zukunft“ gäben.

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Schmiere: In oberster Etage niedrigstes Niveau


Mir reicht’s mal wieder. Zeitungslektüre (Süddeutsche) und Surfen bestätigten heute erneut: Shakespeare hat recht – „Die ganze Welt ist eine Bühne“. Was er in seinen Dramen schon glasklar herausgestellt hat(te), ist durch die jüngere Geschichte bis dato allenthalben zu beobachten: Auf dieser Weltbühne mimen allerhand Schmieristen. Charakterdarsteller sind allenfalls im Bösewicht-Genre zu finden.

Am Ende des Tages, nach soviel Input, klumpatschen in meinem Gehirn die Namen und Aktionen zu einem indifferenten, monströsen Ekelpaket. Dennis Rodman (US-Basketball-„Legende“) schmust mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Hohe „Würden“-Träger im Vatikan machen Schweizer Gardisten an. Ski-Lang“lauf“-Schnecke Angela Merkel will Abstand vom Wechsel Ronald Pofallas zur DB, ohne Abstand zu Pofalla herzustellen. Der Ukraine-Dikator … lässt vor allem Journalist(inn)en zusammenknüppeln wie die mutige (für einen Journalisten-Preis nicht nur verdächtige) Tetyana Chornovol, die den außerordentlich aufwändigen Lebens-„Stil“ des Herrn … aufdeckte und dokumentierte.

Hier ende ich erst einmal, um später zu vervollständigen. Nein, stell‘ ich zwei Tage später fest, es reichte tatsächlich.

Die kleine Komödie am Petrusplatz


Hier nochmal für alle, welche dieses blog besuchen, unser Portrait:

Das Theater Neu-Ulm (bis 1997: AuGuSTheater) ist eine professionelle Privatbühne.

Es ist seit Oktober 1999 Mitglied im Deutschen
Bühnenverein und wird gefördert von der Stadt Neu-Ulm,
vom Landkreis Neu-Ulm sowie vom Freistaat Bayern.

Das Theater Neu-Ulm ist am 1. April 1994 gegründet worden.

Von Claudia Riese und Heinz Koch.

Die beiden Schauspiel-Profis (beide mit staatlicher Reifeprüfung im Kunstfach Schauspiel) hatten zuvor 15 Jahre lang gemeinsam in anderen Ensembles gearbeitet und woll(t)en im Theater Neu-Ulm eigene künstlerische Vorstellungen realisieren.

Essentials:

„Theater ist eine Kunst, ist vergänglich, anachronistisch.
Wir wollen diese Kunst professionell ausüben.
Von unseren Mitspielern fordern wir: Mut, Disziplin und Teamgeist.“

„Ich habe keine Heimat, meine Heimat ist
das Theater. Das Theater ist weniger eine Pizzabäckerei
oder ein sonstiger Produktionsbetrieb. Es sollte vielmehr eine
Heimat sein.“ (Georges Tabori)

Inhalte

Der Spielplan wird bewusst für das Publikum (der Region) gestaltet. Dabei will das Theater Neu-Ulm in den Stücken (vorwiegend lebender Autoren) „intelligente Unterhaltung“ bieten und mit Eigenproduktionen pointiert aktuelle Strömungen begleiten.

Das Motto des Theater Neu-Ulm:

„Geschichten und Emotionen – Gemeinsam (etwas) erleben“

„Willis wilde Weiber“ very wandervoll


„Willis wilde Weiber“ ist zu meiner favorite-Inszenierung (gleich hinter meiner absoluten Nummer eins, „Marlene„) geworden. Den vielen guten und sehr guten Vorstellungen seit der Premiere (Weihnachten 2011) wurde gestern (13. Mai 2012) die Krone aufgesetzt: Die Show im Augsburger TIM bei den „30. Bayerische Theatertage“ (BTT) war unglaublich …

Man müsste ein Publikum mitnehmen können! Es war unerwartet voll, sogar erwartungsvoll. Das Publikum ging von der ersten Sekunde an mit. Das Trio Claudia Riese, Clarissa Hopfensitz und Kathi Wolf hat sich als „Willis wilde Weiber“ selbst übertroffen und in einer ungeheuren Spiellust die Menschen auf den beiden (sehr schwer anzuspielenden) Zuschauertribünen mitgenommen auf einen Höhenflug, der in einem Beifalls-Orkan mündete, mit Bravos en masse und gellenden Pfiffen der Anerkennung.  Tatsächlich wurde eine Zugabe gefordert – und die hat’s nochmals gesteigert! Unglaublicherweise.

Ganz großen Dank an das für uns zuständige BTT-Team mit Schauspielerkollegin Olga an der Spitze, die uns mit Miriam zusammen bestens betreut hat. Und die stagehands sowie die Licht- und TontechnikerInnen des Theater Augsburg waren auch höchst effektiv in ihrer professionellen Unterstützung beim Bühnevorbereiten, beim Einleuchten und im Begleiten der Show.

Wenn’s am Samstag bei „Fast Faust“ auch so rappelt, sind wir endlich versöhnt mit den Bayerischen Theatertagen (bei denen wir uns ein paar Jahre lang nicht wirklich angekommen / angenommen gefühlt hatten). Unser schräger „Faust“ ist ja trotz des Finales in der CL schon bestens vorverkauft. Und wir hoffen: Der bietet dem Publikum am Samstag auch soviel Spaß und Anregendes wie die Schäxpier-„Weiber“.

Zwar werden wir nicht, wie im letzten Jahr mit unserer  Eigenproduktion „Helden auf dem Abstellgleis“, auf einen Preis hoffen dürfen … Aber das Gastspiel  gestern hat soviel Freude gemacht, das ist kaum zu beschreiben. Insgesamt deshalb ganz großes Kompliment und Dank an die Augsburger, vornehmlich und namentlich an Festival-Organisator Oliver Brunner.

  • Jetzt müssen einfach sehen, dass wir dieses wundervolle Trio wandern lassen. An den Riedelsee, nach Kiel und wohin es sonst noch gehen kann.

Fehlt es am guten Willen? Oder am Bewusstsein?


Da initiiert der Stadtrat Neu-Ulm eine Reihe „Kultur im Dialog“. Bei der Auftaktveranstaltung geht es um „Integrierte Stadtentwicklung“. Dazu wird der Stadtplaner von Ingolstadt eingeladen. Der referiert über die Bedeutung der „Kreativen Klasse“, streicht heraus, wie wesentlich die weichen Standortfaktoren sind, weist hin auf den Megatrend „People follow people“. Helsinki ist derzeit Welthauptstadt des Design, Obertrend: „Ideen formen statt Objekte“. Parallel spekuliert man in den Zirkeln der maßgeblich werdenden und zunehmend richtungweisenden Kultur- und Kreativwirtschaft über Wege des „creative placemaking“. Die bürgerschaftliche Initiative „Wir in Neu-Ulm“ hat exakt auf dieser Linie Strategien erdacht und vorgelegt, welche gedanklich auf den oben angerissenen Trends basieren und praktikable Ideen einschließlich umsetzbarer Handlungsstränge aufweisen.

Wer das alles verfolgt, auf dem Sektor aktiv ist, für seine Kommune was tun will, als „creative initiator“  arbeitet, wird in Neu-Ulm  in den letzten Tagen (nun ausgerechnet nach diesem ersten „Kultur im Dialog“-Versuch) überrascht  gehäufte Presse-Publikationen zur Kenntnis genommen  haben, die Neu-Ulm präzise als Geisterfahrerin auf der Gegenfahrbahn zukunftsorientierten Denkens ausweisen:

Kurz vorher noch hatte es geheißen:

So kommentierte Edwin Ruschitzka zu recht:

Wahrscheinlich fehlt es auch am Bewusstsein, welches notwendig wäre, wenn die Zukunft gelingen soll. Es wird ja gern kolportiert: Absolut knappe finanzielle Mittel beflügeln die Kreativität von Künstlern. Abgesehen davon, dass, wenn das stimmen sollte, unbedingt auch Politiker und andere Entscheidungs-Träger mit diesem Armuts-Trick zu mehr Kreativität gezwungen werden sollten, ist wohl eher festzustellen, dass Künstler, die Geld hätten für ihre Kunst, (noch) viel mehr bewegen könnten. Schon allein, indem sie durch irritierende Kunst das eingefahrene Bewusstsein attackieren könnten.

Wie hoch ist der Prozentsatz dessen, was wir Menschen unbewusst tun). Freud sagte bekanntlich: 96 Prozent. Die moderne Gehirnforschung sagt: noch viel höher! Nahezu hundert Prozent. Und wenn wir etwas anders machen (“innovativ” sein) wollen, muss das Unbewusste erzogen werden – ein absolut anstrengendes Unterfangen. Das Bewusstsein soll das Sein bestimmen. Aber wir lassen das Gegenteil immer wieder (gern?!) zu. Wir verharren in der selbstverschuldeten Unmündigkeit. Deswegen ist die Katastrophe (finanzielle Engpässe, Fehlen von Ressourcen) oft Anlass, umzudenken. Das ist “natürlich”. Menschlich(er = unnatürlich) wäre ein vom Bewusstsein gesteuertes Umdenken.

“Wir müssen uns bewusst sein, welche Hürde unsere durch bewusstes Denken getroffenen Entscheidungen überwinden müssen. (Anm.d. Säzzers: Dieses verdammte Beharrungsvermögen, diese geistige Trägheit, diese liebgewonnenen Routinen) Sie müssen einen Weg ins kognitive Unbewusste finden, um bis zum Handlungsapparat durchzudringen.” – So der Top-Neurologe Antonio Damasio (in Antonio Damasio: “Selbst ist der Mensch. Körper, Geist und die Entstehung des menschlichen Bewusstseins”, Siedler Verlag, München, 2011, S. 295, ISBN978-388680-924-0).

 

Storyteller W.


Es wird viel im net und damit öffentlich diskutiert über W. und das Drumherum. Das ist gut. Wer seine Meinung nicht kundtun will, muss nicht, begibt sich aber einer Möglichkeit, an der politischen Willensbildung mitzuwirken.

Ich sage hier nur: Herr Wulff hat Anlass gegeben, dass eine Staatsanwaltschaft beantragt hat, seine Immunität aufzuheben. Die eines amtierenden Bundespräsidenten! Mitarbeiter, die seine engsten Vertrauten waren (sind?), stehen unter Korruptionsverdacht. Wulffs massiven Einschüchterungsversuche der Redaktion einer (von mir als gelerntem Tageszeitungs-Redakteur nun alles andere als geliebten) Boulevardzeitung – das alles reicht. Herr Hagebölling, auch so ein engster Vertrauter, entscheidet vorzeitig, alle üblichen Vergünstigungen sollen gewährt werden. Klar – Wulff ist nicht angeklagt oder verurteilt. Vorverurteilung sollte deshalb unterbleiben. Aber man hätte auch warten können, bis geklärt ist, ob er tatsächlich gegen Gesetze verstoßen hat.

Wulffs Agieren, sein absolut negatives „Vorbild“, hat sehr negative Auswirkungen.
Das werden wir sehen.
Und was das Vergleichen etlicher Wulff-Sympathisanten mit anderen Kosten (zum Beispiel mit Griechenlandhilfen oder den Kosten fürs Demonstrieren gegen Stugart 21) angeht: polemisch, populistisch. Fehl am Platz. Das eine hat mit dem anderen nix zu tun.
Der Bahnhof (um dabeii zu bleiben) selbst kostet noch viiiiel mehr als die Demonstrationen gekostet haben.
Ob wir ihn tatsächlich brauchen oder ob er die fixe Idee dieses Quartetts ist, welches bei einem Hubschrauber-Überflug von einer Vision gepackt wurde  ???

Wenn ein Stadtrat eine Freikarte für „sein“ Theater annimmt, bewegt er sich schon auf dünnem Eis.

Und um solche Zuwendungen ging es bei W. nun gar nicht.

Da waren ganz andere Größenordnungen zu registrieren, wiederholt, gehäuft.

Jemand, der mir erzählen will, er habe sich einen Hotelaufenthalt erst von jemand anders bezahlen (auslegen) lassen, sei dann zur Bank gegangen, hab die Summe abgehoben und dann dem anderen in Bargeld zurückgegeben, dem sag ich: Die Story kannst Du versuchen, jemand anders unterzujubeln. Dieser Ablauf widerspricht einfach meiner Lebenserfahrung – zumal Politiker wie W. meist seit Jahren nur noch selten Bargeld in die Hand nehmen. Die haben meist Leute, die das machen. Genauso wie sie Fahrer haben.

Und jetzt hab ich es satt. Die Geschichte blogge ich noch, und dann: von mir nix mehr zu diesem Mitbürger aus Großburgwedel. Versprochen!

Zeit – spannen


Hier und jetzt beginne ich die neue Kategorie „Tagebuch“. Draußen scheint an diesem 27. Februar 2012 die Sonne. Um 00 Uhr hatte ich der treuesten Theaterfreundin zum Geburtstag gratuliert. Dann folgte Matratzenhorchdienst. Der Wecker schlug nicht an, weil sich das Handy selbständig ganz abgeschaltet hatte. Ich musste, um es wieder in Gang zu bringen, sogar den Akku rausnehmen und wieder einsetzen. Beim Nachtarocken überlegte ich, ob ich Zeit gewonnen oder verloren hatte.

Jetzt sitz ich drin, im Augenwinkel rechts die sonnige Straße. Gleich gibt es einen Pressetermin zur bürgerschaftlichen Initiative „Wir in Neu-Ulm“. Da sollen wir deutlich machen, weshalb wir mit diesem Verein für umme die Arbeit der Kommune in Sachen Stadtmarketing machen. Das verstehen nicht mal alle Damen und Herren des Stadtrates. Und die anderen, „normalen“ BürgerInnen lehnen sich zurück und erwarten, dass wir was machen, dass was passiert.

Überspring ich mal den webmontag heute Abend, der nu auch nicht bloß ein reines Privatvergnügen ist: Morgen heißt es „getrennt marschieren“: Claudia hat den ersten Treff mit dem Bauservice und den Handwerkern in der neuen Spielstätte (Hermann-Köhl-Straße 1), um den Umfang und den Ablauf des Um- und Ausbaus zu einem Theaterraum nach unserem gusto zu besprechen. Ich werde zur gleichen Zeit mit einer Redakteurin konferieren, die den Text einer Sonderveröffentlichung zum „1. Neu-Ulm PocketKlassiker-Festival“ fabrizieren wird.

Damit sind zwei der wichtigsten Zeiträuber der nächsten Wochen und Monate erwähnt, Theaterumzug und Festival. Die dritte, ihren Schatten vorauswerfende  Herausforderung dieser Größenordnung ist die für Freitag, den 13. April geplante Premiere von „Männergespräche“. Da bin ich am Beginn der Text-Lernphase.  Vielleicht könnte mir der eine oder andere Trick helfen, den ich beim Hirnforscher Professor Spitzer abstauben müsste. Wäre aber zu vordergründig. Der Ulmer Spitzenforscher beschäftigt mich schon auf eine andere Weise derartig, dass ich nicht auch noch sein Werk wegen Lernhilfe durchforste: In diesen Tagen darf ich nämlich den Auftakt zu „Wohl-fühlen 2012“ organisieren. Da haben wir Spitzer engagiert. Er wird am Samstag, 23. Juni in der Ratiopharm-Arena (vor möglichst 3.000 Leuten) performen zum Thema „Sich wöhl-fühlen – wie geht das?“.

Eigentlich sollte ich da den entscheidenden Tipp bekommen. Denn: Neben all dem Vorausschauen auf die genannten wichtigen  Termine von heute bis zum 5. Oktober (da wollen wir erstmals offiziell im neueingerichteten Theater spielen) sowie auf all die vielen „kleinen“ events dazwischen (rechtzeitiges Einreichen der Zuschussanträge beim Freistaat Bayern, bei der Stadt Neu-Ulm und beim Landkreis Neu-Ulm; pünktliche Steuervorauszahlung; diverse Geburtstage etc.) muss nämlich eins bedacht werden: Die Investition in dieses neue Theater sollte die Zeit-spanne von 20 Jahren bedienen.

20 Jahre. So lange gibt es das Außergewöhnliche Goethe- und Schiller-Theater (AuGuSTheater) noch nicht mal … Wie oft wird sich in der Zeit, für die wir da planen sollen, mein Handy selbständig abschalten? Abgesehen davon, dass es über diesen Zeitraum nicht mehr dasselbe Handy bleiben wird, abgesehen davon, dass in 20 Jahren das Handy von einem fortschrittlicheren Kommunikations-Apparat abgelöst sein wird: Bin ich in der Lage, in den nächsten 20 Jahren immer wieder den (wie auch immer gearteten) Wecker zu stellen? Ich werd auf jeden Fall bei Spitzer sehr gut aufpassen!