„Eh ich’s vergesse…“ Memoiren eines Nobody (Fragmente: 10)


Waren Sie schon mal tot? Ich schon. Ich war plötzlich tot. Plötzlicher Herztod. Rasch reanimiert. Wie gerade jetzt darauf komme, nach anderthalb Jahren? Weil allenthalben die Angst grassiert. Angst vor Krankheit, Angst vor dem Sterben. Angst vor dem Tod. Also – Angst vor dem Totsein habe ich nicht (mehr). Ich war einige Tage im künstlichen Koma. Bis ich wieder richtig „da“ war, das hat noch einige Tage gedauert. Erinnerung an irgendwas in diesen Tagen? Null.

Dreieinhalb Monate später: Premiere. „Honig im Kopf“ (Plakat-Foto so vom Januar). Wortspiel dann in der Vorankündigung zum Stück und zu meinem Bühnen-„comeback“.

Dieses Bühnen-„Comeback“ war für meine Ärzte ein Wunder. Ich hatte gleich nach dem Erwachen in der Reha begonnen, den Text zu lernen. Den 15. Februar hatte ich stets fest „im Blick“. Die Text-Arbeit ließ mich in jeder Hinsicht Fortschritte machen. Ich wollte den Alten spielen.

Und was kam raus?

Die Südwest Presse schreibt:

„Claudia Riese hat die Bühnenfassung von René Heinersdorff nach einer Vorlage von Florian Battermann sehr gefühlvoll und mit viel Wortwitz inszeniert. Die Tragikomödie kommt auf der Bühne leiser und sanfter daher als der Film, aber mindestens genau so lustig. Das liegt auch an der Schauspielkunst von Heinz Koch, der mit 73 Jahren und nach einem Herzinfarkt im Oktober nun wieder auf der Bühne steht.“

Die komplette Rezension hier

Die Neu-Ulmer Zeitung schreibt unter der Titelzeile “ Großes Kino auf der Bühne des Theaters Neu-Ulm“:

“ Das Stück lebt aber –zumindest auf den Neu-Ulmer Brettern – auch von der hervorragenden Bearbeitung durch Regisseurin Claudia Riese und durch die überzeugenden Schauspieler. Vor allem verdient die grandiose Leistung von Heinz Kochs Darstellung des erkrankten Amandus uneingeschränkte Bewunderung. Das ist Theater, das unter die Haut geht.“

Die komplette Rezension hier und Publikumsstimmen

Warum ich das alles erwähne? Ich hatte meinen persönlichen „shutdown“ zu überwinden. Das ging nur mit Zuversicht, Hoffnung und Zukunftsglauben.

Jetzt ist die Assoziations-Kette klar. Ich betrachte die jetzige Situation absolut nicht als „Endspiel“. Manchmal geistern Ideen um mich rum von „Underground“-Theater, von armem Theater à la Grotowski, von einem vom shutdown gebeuteltem Bügel-Brettl nach überstandenem lockdown.

Es bewegt auch angesichts der völlig unzeitgemäßen Szenarien in den TV-Filmen die Frage: „Was denn spielen, wenn ‚alles endlich wieder vorbei‘ ist?“ Was wollen die Leute denn dann sehen, wenn ‚alles endlich wieder vorbei‘ ist? Und: Will ich das spielen, was die Leute sehen wollen, wenn ‚alles endlich wieder vorbei‘ ist?

Den Gedankenansatz überlasse ich dann mal (Fragmente 11).

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