Ein besonderer Saisonstart


Traditionell starten wir, das Theater Neu-Ulm, im September eines jeden Jahres in die neue Spielzeit. In diesem Jahr ging’s am 18. September los. Nachdem wir im Sommer, während der euphemistisch Theaterferien genannten Monate, den Beginn und Fortgang der Saison 2020 / 21 geplant hatten, waren wir sehr gespannt, ob und wie das Publikum reagiert. Würden wir à la „Schmiere“-Direktor Striese im „Raub der Sabinerinnen“ spicken und verkünden müssen: „Das Publikum strömt. Da strömt schon wieder einer.“ Drei oder mehr Fragezeichen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Es strömte regelmäßig mehr als einer.

In „Der Theatermacher“ von Thomas Bernhard freut sich Prinzipal Bruscon über „38 Zuschauer, Vollzahler“ in Gaspolthofen. Die Theatermacher in Neu-Ulm würden sich freuen, wenn sie diese 38 Vollzahler in die kleine Komödie am Petrusplatz einlassen dürften.

„Wir finden: Die 30 BesucherInnen, die wir pro Vorstellung zulassen dürfen, sollen aber ein hundertprozentiges Theratererlebnis haben. Ohne Abstriche“, sagt Theaterleiterin Claudia Riese.

Irgendwie verstehe ich nicht so ganz, dass es nicht für wert erachtet wurde, die ultimative Fassung von „Bis dass Dein Tod uns scheidet“ zu rezensieren. Das Stück war zwar in einer Voraufführung gelaufen, „Berliner“ Fassung, draußen bei Blumen Weimar, anderer Darsteller. Darüber war dankenswerter Weise berichtet worden; aber schließlich waren wir ja auch die erste Bühne, welche gleich nach der Lockerung die Arbeit aufgenommen hatte.

Nu hatten wir jedoch über den ganzen Sommer an der letztlich gültigen Fassung gearbeitet, die sich wesentlich von der open-air-Inszenierung unterscheidet, aber Besprechungen, die in der Corona-Zeit (mit dem sehr reduzierten kulturellen Angebot) doch hätten helfen können, blieben aus.

Wir hatten bekanntlich vorsorglich bereits am 14. März die letzte Vorstellung gegeben und seitdem das Theater geschlossen. Natürlich waren wir auch etwas kribbelig, wann und unter welchen Konditionen wir unsere Kunst wieder ausüben können. Schließlich haben wir dem Publikum doch etwas zu bieten. Und: So manche(r) ist hungrig, dieses Lebensmittels wieder teilhaftig zu werden.

An der Stelle möchten wir zitieren den Thomas Ostermeier, künstlerischer Leiter und Gesellschafter der Schaubühne Berlin:

„Wir wollen unser Publikum zurück. Wir wollen den direkten und unmittelbaren Kontakt mit dem Zuschauerraum. Das Spiel wird durch die Reaktion des Publikums getragen. Im besten Fall gibt es einen gemeinsamen Atem. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Kino und Theater. Unsere Schauspielerinnen und Schauspieler scharren mit den Hufen. Sie wollen wieder spielen.“ Das ganze höchst lesenswerte Interview hier.

Ein weiteres Zitat, welches unsere intrinsische Motivation erklären mag:

„Es geht bei der Arbeit (die einen Regisseur / eine Regisseurin mit Schauspielerinnen und Schauspielern verbindet) im Grunde darum, das Menschsein an sich zu entschlüsseln, begreifbar und wiederholbar zu machen. Es ist ja ein wundersamer Pakt, der im Theater geschlossen wird: Erwachsene Menschen spielen erwachsenen Menschen etwas vor, und beide Seiten einigen sich darauf, dies für die Dauer einer Vorstellung ernst zu nehmen. Und da ist fundamental, dass die Akteure ihren Text denken und nicht bloß aufsagen.“
                     (David Pfeifer, SZ-Magazin Nummer 37, 11. Sept 2020)

Abschließend kann man zu unserer „1. Produktion after the lockdown“ nur laut sagen:

Heulen wir nicht rum!

Freuen wir uns!

Das Publikum hat uns sagenhaft unterstützt. Die Shows waren unter den angesichts der Pandemie notwendigen und von uns schon aus Selbstschutz unbedingt mitgetragenen Auflagen ausverkauft. Nicht alle Kartenwünsche konnten wir erfüllen.

Und wie es letztlich alles so war, davon künden die Publikums-Stimmen auf unserem blog. Den herzlichsten Dank allen, die in diesen Zeiten ins Theater Neu-Ulm gekommen waren (und kommen werden); und ganz besonders danken wir denen, welche die Courage aufgebracht haben, ihre Meinung zu posten.

https://theater-neu-ulm-publikumsstimmen.blogspot.com/…

Drei Publikumsstimmen zur letzten Show von „Bis dass Dein Tod uns scheidet“ am vergangenen Samstag (17. Oktober 2020), zu der wir auch die Neu-Ulmer Oberbürgermeisterin (mit ihrem Ehemann) begrüßen konnten. (Fotos wurden unter Beachtung der Hygiene-Regeln geschossen von Melanie Schmidt.)



„Ohne Corona und vollbesetzt wäre natürlich noch besser, aber auch so hatten wir einen sehr vergnüglichen Abend mit einem Heinz Koch in Bestform. Immer wieder ein Erlebnis – weiter so.“

„Das war ein sehr amüsanter Abend und man konnte als (Ehe)Mann doch einige Anregungen mit nach Hause nehmen. Und wir haben uns trotz Corona sehr sicher gefühlt.“

„Zum ersten Mal in diesem Theater! Die Atmosphäre und der Theatersaal ist ansprechend, gemütlich und schön warm gewesen. Uns hat an dem Stück besonders gefallen, dass das Publikum mit einbezogen wurde. Ein professionleller und charismatischer Hauptdarsteller, der die Bühne ausgefüllt hat (beneidenswert viel Text). Wir kommen wieder.“

Und so geht es weiter:

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