25jähriges Theaterjubiläum im Herbst


25 Jahre residiert das frühere AuGuSTheater (Autonomes Goethe- und Schiller-Theater) nun in Neu-Ulm. Im September 1997 hatten wir eine eigene feste Spielstätte eingerichtet, im alten „Konzertsaal“. Die ersten Vorstellungen von Goethes „Faust I“ hatten wir schon während des Sommers 97 im großen Haus gespielt. Die erste Spielzeit startete dann im Oktober mit „Sex – aber mit Vergnügen“ von Franca Rame, Jacopo und Dario Fo. In dem zurückliegenden Vierteljahrhundert haben wir irre viel Theater verschiedenster Art gemacht. Davon zu erzählen – das wäre abendfüllend. Jüngst erhielten wir eine sicherlich wohlmeinende Zuschrift, in der unter anderem steht: “ Sicher haben Sie eine Aufstellung über die Jahre mit welchen Stücken sie wie viel Zuschauerzahlen erreichten. Eine solche Statistik wäre sehr gut, da damit viel besser von mir und vielleicht anderen verstanden wird welchen Beitrag sie mit Ihrem Ensemble für die Stadtgesellschaft leisten.“ In „Der Kleine Prinz“ gibt es die berühmte Passage:

Die großen Leute lieben nämlich Zahlen. Wenn ihr euch über einen neuen Freund unterhaltet, wollen sie nie das Wesentliche wissen. Sie fragen dich nie: »Wie ist der Klang seiner Stimme? Welche Spiele liebt er am meisten? Sammelt er Schmetterlinge?« Sie wollen lieber wissen: »Wie alt ist er? Wie viele Brüder hat er? Wieviel wiegt er? Wieviel verdient sein Vater?« Erst dann werden sie glauben, ihn zu kennen. Und wenn ihr den großen Leuten erzählt: »Ich habe ein sehr schönes Haus mit roten Ziegeln gesehen, mit Geranien vor den Fenstern und Tauben auf dem Dach …« werden sie sich das Haus nicht vorstellen können. Ihr müsst vielmehr sagen: »Ich habe ein Haus gesehen, das hunderttausend Franken wert ist.« Dann kreischen sie gleich: »Oh, wie schön!«

aus: „Der Kleine Prinz“ von Atoine de Saint-Exupéry

Da Claudia Riese den kleinen Prinzen oft und oft gespielt hat, fiel uns diese zitierte Passage auf Anhieb als Antwort auf die im Vorspann wiedergegebene Zuschrift ein. Wir haben und das verkniffen und doch argumentativ geantwortet.

Wir machen jetzt 25 Jahre lang schon Theater in Neu-Ulm.
In dieser Zeit haben wir zwei ganz verschiedene Spielstätten eingerichtet und betrieben.
Da haben wir rund eine halbe Million Euro investiert.

Der Zuschauer-Zuspruch war in all den Jahren höchst unterschiedlich.
Wir hatten schon mal zu Silvester im „Konzertsaal“ zwei Vorstellungen mit je 350 BesucherInnen.
Der „Konzertsaal“ war auch zu regulären Spieltagen oftmals mit 180 Leuten ausverkauft, hauptsächlich bei Musicals, welche wir seit 2012, seit dem Umzug in die Hermann-Köhl-Straße nicht mehr realisieren können.

Bei open-air-Vorstellungen im Innenhof des Museums, den wir als Freilichtspielstätte „erfunden“ und eetabliert hatten, waren wir oftmals mit 200 Plätzen ausverkauft. Auch bei Auftritten im Wirtsgarten des „Adler“ in Holzheim wollten uns mehrmals 200 ZuschauerInnen erleben.

2020 / 21 war dem Theater rund zwölf Monate verboten, vor Publikum zu spielen.

Während der laufenden Saison waren wir durch Pandemie-Bestimmungen zwangsweise auf 25 % der Platzzahll reduziert.


In der Sommer-Spezial-Saison im „Refugium im Finninger Ried“ (wieder ein Ort, den wir „salonfähig“ gemacht haben) hatten wir dann mehr als doppelt so viele BesucherInnen wie jüngst der „Finnische Tango“ im Museums-Innenhof.

Theatermacher-Duo „Riese & Ko“ im Juli 2022 an der Kasse der open-air-Spielstätte „Refugium im Finninger Ried“.

Im Übrigen sind die reinen Zahlen im Kunst-Bereich niemals Ausweis für Relevanz – vor allem, wenn man künstlerisch ambitioniert ist.

Zwar haben wir in jedem der 25 Jahre mindestens vier Neu-Inszenierungen gemacht (die allermeisten davon, nicht alle, sind in unserem Archiv dokumentiert), aber:

Unsere Eigenproduktionen machen ein absolutes Alleinstellungsmerkmal aus. Exemplarisch sei genannt: das bei den „29. Bayerische Theatertage“ preisgekrönte „Helden auf dem Abstellgleis“.(hier die Laudatio).

Leider ist unsere Idee einer „Neu-Ulmer PocketKlassiker-Biennale“ bei der Stadt Neu-Ulm nicht auf Gegenliebe gestoßen. Sowas gab’s und gibt’s noch  immer nirgendwo. Wir hatten das mit 33.000 Euro kalkuliert; das wurde exakt eingehalten.

Sollen wir erzählen von den Abenden zum „Welttag der Poesie“ oder zur „Bücherverbrennung“ oder zum „9. November“ (Beispiel von der Premiere)  oder von der Serie „Ohne Netz ..“ (Auslöser für die „LobbyCard“ !!! in Ulm) oder von unserer Kooperation mit Budapester KünstlerInnen nach dem Fall des „Eiserner Vorhang“ oder vom „Literratischen Salon“ oder vom „Chaos-Lesen“ oder oder oder?

Sollen wir erzählen von all‘ den events, in die uns die frühere Neu-Ulmer OB Dr. Beate Merk eingebunden hatte (hier ihr Grußwort zum Einzug in die neue, jetzige Spielstätte)?

Oder von unserem Auftritt in Meiningen zum zehnjährigen Partnerschaftsjubiläum?


Oder vom Auftritt bei der Brunnen-Einweihung am Donaucenter?

Oder vom 1998 von uns erfundenen „König-Ludwig-Fest“ (mehrfach wiederholt, vor mehr als 1000 BesucherInnen).

Oder sollen wir erzählen vom „Theater auf Krankenschein“?

Mit der jetzigen Gesamtsituation rund ums Theater Neu-Ulm sind wir allerdings gezwungen, mit der Wurst nach der Speckseite zu werfen.

Ein Pfund, mit dem wir wuchern können, sind auch unsere Publikums-Stimmen.

Vielleicht erzählen wir einfach zu all`dem was an einem Abend im Oktober zwischen den beiden Produktionen „Busenfreundinnen“ und „Burton & Taylor“. Mal sehen.

Bis zum Oktober werden wir diesen blog-Beitrag ergänzen.

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